Slawa Spomer bleibt ungeschlagen: 13 Profikämpfe in Folge gewonnen

…und wieder mal kam für den Heilbronner Profiboxer Slawa Spomer alles anders als geplant. In unserer letzten Ausgabe hatte er noch angeteast, dass er Ende März in Bruchsal den nächsten Titelkampf absolvieren und seinen Deutschen Meistertitel verteidigen würde. Doch dann sagte – wie schon mehrfach zuvor – der geplante Gegner ab. Statt des Titelkampfes gegen Araik Marutjan gab es ein Duell gegen den Franzosen Fouad El Massoudi, bei dem es für den 28-Jährigen „nur“ um Weltranglistenpunkte ging. Unsere Redakteure Lena Staiger und Ralf Scherlinzky waren bei dem Boxevent mit insgesamt acht Kämpfen dabei, das unter Corona-Bedingungen im Bruchsaler Pugilist Boxing Gym stattfand. Nach seinem Kampf hatten sie die Chance, mit Slawa Spomer zu sprechen…

Autor: Ralf Scherlinzky

29. Mai 2021

Bilder: Marion Stein

Slawa, du hast bei deinem 13. Profikampf zwar keinen Titel, aber jede Menge Erfahrung gewonnen. Kann man den Kampf so zusammenfassen?

Slawa Spomer: Ja, durchaus. Das war einer meiner bislang härtesten Kämpfe. Ich hatte meinen Gegner zwar über die kompletten acht Runden gut im Griff, doch hat er alles weggesteckt, was auf ihn eingeprasselt ist. Ein solcher Kampf über die volle Rundenzahl bringt mich wesentlich weiter als einer, bei dem der Gegner nach dem ersten richtigen Treffer zu Boden geht. Ich musste wirklich über die vollen acht Runden durchziehen und dabei gab es schon Momente, wo ich gedacht habe, dass die Luft langsam eng wird. Hätte ich in solchen Phasen auch nur ein bisschen Schwäche gezeigt, hätte er mich überrollt. Das sind Situationen, die kannst du im Training nicht einstudieren.

Gerade in den ersten Runden ist uns aufgefallen, dass du immer mal wieder provokativ die Deckung runtergenommen und dann aber auch ein paar Schläge abbekommen hast…

Slawa Spomer: Stimmt, das hat eigentlich gleich zwei Gründe. Zum einen ist das ein Psychospielchen, das ich gerne mache. Ich provoziere meinen Gegner zum Angriff, den ich dann zum Kontern nutze, um ihm zu zeigen, hey, ich bin schneller als du. Und zum anderen brauche ich es, dass ich am Anfang zwei, drei Dinger einfange. Dann weiß ich, ich bin da. Sonst laufe ich Gefahr, in einer Art Traumwelt vor mich hin zu boxen und unaufmerksam zu werden. Wenn zu Beginn so ein „Hallo wach“ kommt, bin ich fokussiert.

Brummt dir nach einem solchen Kampf wie heute eigentlich auch mal der Kopf oder steckst du die Schläge locker weg?

Slawa Spomer: Jetzt, so direkt nach dem Kampf, spüre ich schon einen gewissen Druck im Schädel. Es könnte sein, dass im Nachgang auch noch etwas mit dem Kiefer kommt, aber das muss nicht sein. Mir tun nach den acht Runden jetzt eher die Hände weh. Die Handschuhe sind ja relativ klein und eng – dazu die Schläge. Da helfen auch die dicken Bandagen nicht so viel. Vermutlich ist auch wieder eine Kapsel an einem Finger durch, aber jetzt sind ja erstmal wieder ein paar Wochen Pause bis zur Vorbereitung auf den nächsten Kampf.

Weißt du schon, wann es zum nächsten Mal in den Ring geht?

Slawa Spomer: Momentan gibt es noch keinen konkreten Termin. Wenn alles klappt, könnte sich bis zum Juni etwas ergeben – das hängt aber auch von der Corona-Lage ab. Ich bleibe im Training und halte mich in Form, um das Tempo schnell wieder anziehen zu können.

 

Wieviel Zeit steckst du normalerweise in die Vorbereitung für einen Kampf?

Slawa Spomer: Auf diesen Kampf hatte ich mich jetzt drei Monate lang an sechs Tagen pro Woche à dreieinhalb Stunden vorbereitet. Da kommen ungefähr 250 Stunden zusammen.

Wie startest du in einen solchen Kampftag, auf den du dich drei Monate lang vorbereitest? Bist du besonders aufgeregt und hast eine schlaflose Nacht?

Slawa Spomer: Nein, absolut nicht. Ich beginne den Tag wie jeden anderen. Bei mir geht es eigentlich erst eine Stunde vor dem Kampf mit der Nervosität los. Davor lasse ich gar nichts in diese Richtung zu und gehe alles sehr entspannt an. Eine gewisse Grundnervosität muss natürlich da sein, aber wenn das schon früh am Tag losgeht, bringt dich das psychisch und körperlich aus dem Konzept. Am Anfang meiner Karriere hatte ich diese schlaflosen Nächte tatsächlich, aber ich habe inzwischen so viel Erfahrung, dass ich weiß, wie ich damit umgehen kann.

In Bruchsal war ja nun auch dein knapp dreieinhalbjähriger Sohn Levar zusammen mit deiner Frau Ilona dabei. Wie war das für dich während des Kampfes?

Slawa Spomer: Ich bin total stolz darauf, dass er zum ersten Mal dabei war. In den Rundenpausen habe ich immer wieder zu ihm rübergeschaut – er war mit Spielen beschäftigt. Wir hatten ganz spontan entschieden, dass wir ihn mitnehmen, damit er alles mal so ein bisschen mitkriegt. Während der Vorbereitung hatten wir uns ja kaum gesehen und er wusste nur, dass ich zur Arbeit gehe. Für Ilona war es zwar etwas stressig und sie hat vom Kampf kaum etwas mitbekommen, aber wir sind happy, dass er dabei war. Aber jetzt bekommt er mich ja wieder öfter zuhause zu sehen.