Daniel Wörz: Erfolge, Rückschläge, Comebacks

Autor: Lara Auchter

Daniel Wörz: Ehrlich gesagt wieder deutlich besser. Ich kann inzwischen fünf Geräte gut trainieren und die Schulter macht große Fortschritte. Natürlich bin ich noch nicht komplett beschwerdefrei, vor allem an den Ringen braucht es Zeit – aber im Vergleich zu den letzten anderthalb Jahren fühlt sich das gerade wie ein echter Schritt nach vorne an.
Trotzdem kam im Spätjahr ein medizinischer Schockmoment inklusive Krankenhausaufenthalt dazu. Was war los?
Daniel Wörz: Ja, das war heftig. Ich bin mit starken Schmerzen im Unterarm aufgewacht und plötzlich war alles rot geschwollen und die Lymphbahnen entzündet. Am Ende war es eine Lymphangitis, ausgelöst vermutlich durch kleinste Hautrisse. Ich hing plötzlich am Tropf und war komplett eingegipst. Das kann, wenn man es nicht rechtzeitig erkennt, richtig gefährlich werden. Zum Glück wurde schnell reagiert.
Für einen Leistungssportler ist so etwas mental fast genauso belastend wie körperlich…
Daniel Wörz: Absolut. Vor allem, weil es genau in eine Phase gefallen ist, in der es endlich wieder lief. Ich war gut vorbereitet, wollte bei mehreren Bundesliga-Wettkämpfen starten und hatte die Nationalmannschaftsqualifikation im Blick. Und dann das. Aber ich kenne Rückschläge leider zu gut. Entscheidend ist, sich davon nicht komplett runterziehen zu lassen.
Wenn man deine Karriere betrachtet, reiht sich Erfolg an Verletzung: EM-Bronze, Weltcup-Debüt, dann ein Bandscheibenvorfall, Schulter-OP und jetzt die Entzündung. Wie blickst du selber auf diesen Weg?
Daniel Wörz: Es war brutal. Nach dem Übergang in den Seniorenbereich ging es eigentlich ständig auf und ab. 2019 kamen die ersten größeren Probleme, dann Corona, dann der Bandscheibenvorfall. Daraufhin folgten eine lange Reha, zahlreiche Comebackversuche und wieder einige Rückschläge. 2024 schaffte ich es endlich zurück ins Nationalmannschaftsumfeld, nur damit ich mir zum Auftakt direkt die Schulter komplett kaputt mache. Das ist schon schwer zu verdauen.
Gab es Momente, in denen du ernsthaft ans Aufhören gedacht hast?
Daniel Wörz: Ja, definitiv. Gerade in den Phasen, in denen man monatelang trainiert, alles investiert, und der Körper einfach nicht mitmacht. Aber jetzt, vor allem in den letzten Monaten, war das Training wieder wie Balsam für die Seele. Ich habe gemerkt: Da ist noch Potenzial. Und das will ich mir nicht nehmen lassen.
Was treibt dich an, immer wieder zurückzukommen?
Daniel Wörz: Der Gedanke, dass noch etwas möglich ist. Wenn ich meine Leistungen mit den Sportlern auf nationalem Niveau vergleiche, sehe ich, dass ich mithalten kann. Solange mein Körper mitspielt, will ich wissen, wie weit es noch gehen kann.
Gleichzeitig muss man realistisch an die Zukunft denken. Wie sehen deine Gedanken für die Zeit nach der Karriere aus?
Daniel Wörz: Perspektivisch kann ich mir ein Studium bei der Polizei sehr gut vorstellen – wegen der Abwechslung, der körperlichen Komponente und der Verantwortung. Aber das geht nur, wenn der sportliche Teil abgeschlossen oder klar geregelt ist. Parallel ein anspruchsvolles Studium zu starten, funktioniert auf diesem Niveau kaum.
Bei Leistungssportlern spielt der Kaderstatus immer eine große Rolle, vor allem in finanzieller Hinsicht. Es dürfte für dich schon allein deshalb wichtig sein, wieder den Sprung zurück in einen der Kader des Deutschen Turner-Bunds zu schaffen…
Daniel Wörz: Ja, natürlich. Das darf man nicht ausblenden, denn finanzielle Förderung und Unterstützung hängt komplett am Leistungsnachweis. Deshalb ist das kommende Jahr extrem wichtig für mich. Ich habe noch Zeit, die Schulter vollständig auszukurieren, dann lautet das Ziel aber, spätestens im Frühjahr wieder alle sechs Geräte wettkampffähig zu turnen und mich für den Kader zu empfehlen.
Trotz allem spürt man bei dir keinen Zynismus, sondern eher Kampfgeist.
Daniel Wörz: Vielleicht auch Sturheit (lacht). Aber ich habe so viel investiert, so viel durchgestanden – da will ich am Ende sagen können: Ich habe alles versucht. Wenn ich irgendwann aufhöre, dann nicht, weil ich aufgegeben habe, sondern weil ich entweder alles gezeigt habe, was ich kann, oder der Körper wirklich nicht mehr mitmacht.
Was wünschst du dir für die kommenden Monate?
Daniel Wörz: Vor allem verletzungsfrei zu bleiben. Der Rest kommt über gutes Training. Wenn ich nächstes Jahr gesund Wettkämpfe turnen und mir selbst beweisen kann, dass sich dieser harte Weg gelohnt hat – dann wäre ich wirklich stolz auf mich.