Daniel Fischbuch: 4 WM-Teilnahmen + über 700 DEL-Spiele

Fast immer, wenn wir die Region Heilbronn für einen Magazinbeitrag verlassen haben, war irgendwie Eishockeyspieler Daniel Fischbuch mit im Spiel. Für die erste SPORTHEILBRONN-Ausgabe hatten wir ihn und Corey Mapes an einem Samstagvormittag in Düsseldorf besucht. Und als wir Anfang 2017 in Berlin waren, haben wir uns für Ausgabe 3 kurzfristig mit ihm und Turner Milan Hosseini in der Kabine der Eisbären Berlin getroffen. Nachdem er dann nach Nürnberg gewechselt war, standen wir für ein Interview im Rahmen des Spiels gegen die Kölner Haie auf der Matte. Und für die Jubiläumsausgabe 30 haben wir ihn gleich mit einem ganzen Team in Mannheim besucht. Zwischendurch gab es für Ausgabe 9 ein öffentliches Interview in der Heilbronner „Inselspitze“, zu dem wir die Nachwuchscracks des Heilbronner Eishockey-Clubs eingeladen hatten und vor dem wir uns gegenseitig mit unserer Nervosität übertrumpft haben. J Wir können von uns behaupten, dass wir „Fischi“ vom 22-jährigen Underdog bei der Düsseldorfer EG bis zum heute 32-jährigen Nationalspieler bei den Iserlohn Roosters fast durch seine ganze DEL-Karriere begleitet haben. Egal, mit welcher Idee wir gekommen sind – der Neuenstadt-Steiner, der das Eishockeyspielen einst beim HEC gelernt hat, war immer gerne zu allem bereit. Wie auch jetzt, als wir im Dezember bei einem Onlinecall gemeinsam in Erinnerungen geschwelgt sind. Einleitung: Ralf Scherlinzky / Text: Lara Auchter

Autor: Lara Auchter

1. Februar 2026

Fischi, du begleitest SPORTHEILBRONN nun seit der ersten Ausgabe 2016. Kannst du dich noch an das allererste Treffen erinnern?
Daniel Fischbuch: Ja klar, das war damals in Düsseldorf an der Brehmstraße. Wir hatten uns nach dem Training im Presseraum vor der Sponsorenwand unterhalten, zusammen mit Corey Mapes. Es war cool, weil viele gar nicht auf dem Schirm hatten, dass gleich zwei Heilbronner in der DEL spielen – Corey und ich. Ihr habt uns damals in der Region so ein bisschen „sichtbar“ gemacht.

Das Interview war im Februar und es sah alles danach aus, dass wir dich noch eine Weile im Trikot der DEG sehen. Doch dann kam im März die überraschende Nachricht, dass dein Vertrag nicht verlängert wird. Wie war das für dich als junger Spieler?
Daniel Fischbuch: Das war damals echt verrückt. Ich kam gerade von einer schweren Verletzung zurück, hatte gute Gespräche mit dem Trainer und eigentlich das Gefühl, dass es weitergeht. Und dann hieß es plötzlich: „Wir verlängern nicht.“ Erstmal war ich geschockt, aber im Nachhinein war es vielleicht wichtig für meine Entwicklung. Manchmal muss man eben einen anderen Weg gehen.

Düsseldorf war ja quasi deine sportliche Heimat und ist auch jetzt noch euer Erstwohnsitz…
Daniel Fischbuch: Genau. Ich bin damals als Teenager aus Mannheim nach Düsseldorf gewechselt, auch weil mein Bruder dort war. Ich habe beim Hauptsponsor der DEG meine Ausbildung gemacht und in Düsseldorf meine Frau kennengelernt. Letztendlich bin ich in der Stadt erwachsen geworden, und unser Lebensmittelpunkt ist bis heute dort.

Von der Düsseldorfer EG aus ging es zu den Eisbären Berlin – ein großer Schritt. Wie kam der zustande?
Daniel Fischbuch: Uwe Krupp war damals Eisbären-Trainer, und Marian Bazany, den ich aus Düsseldorf kannte, war Co-Trainer. So entstand der Kontakt. Berlin setzt traditionell sehr auf deutsche Spieler, und ich fand die Rolle spannend. Im ersten Jahr lief es gut und im zweiten Jahr standen wir sogar im DEL-Finale gegen München und haben Spiel sieben nach Comeback doch noch knapp verloren. Trotzdem eine Wahnsinnsserie und wenn ich zurückblicke eine schöne Zeit.

Vor deinem vierten Jahr in Berlin kam dann aber wieder ein Knick…
Daniel Fischbuch: Genau. Ich hatte eigentlich noch einen Vertrag, aber mir wurde gesagt, dass mein Kaderplatz durch einen U23-Spieler ersetzt wird. Das kam unerwartet und war sicherlich nicht einfach, da ich mich bei den Eisbären sehr wohl gefühlt habe. Ich wollte aber unbedingt spielen, also musste ich gehen. Ich war in diesem Sommer aber sehr lange ohne neuen Vertrag und wäre fast in der DEL2 gelandet. Aber am Ende wurden es die Nürnberg Ice Tigers in der DEL.

Nürnberg wurde zum Wendepunkt für dich – vor allem im Hinblick auf die Nationalmannschaft.
Daniel Fischbuch: Absolut. Ich bekam bei den Ice Tigers volles Vertrauen vom Trainer und bin gut in die Saison gestartet. Beim Deutschland Cup im November 2019 war ich dann erstmals bei der Nationalmannschaft dabei und habe ein richtig starkes Turnier gespielt. Das war für mich der Startschuss im Nationalteam. Dafür bin ich dem damaligen Bundestrainer Toni Söderholm bis heute extrem dankbar.

Seitdem warst du bei vier Weltmeisterschaften dabei, inklusive der spektakulären Silbermedaille in Tampere 2023.
Daniel Fischbuch: Ja, meine erste WM war noch die Corona-WM 2021 in Riga. Dann folgten zwei richtig coole Turniere in Finnland – darunter natürlich die Silber-WM in Tampere. Zuletzt war ich 2024 in Tschechien im WM-Aufgebot. Es waren unglaubliche Erlebnisse und Momente im Nationalmannschafts-Trikot. Die letzte WM habe ich leider verpasst, weil ich bei den Adlern Mannheim zum Ende der Saison nicht mehr komplett gespielt habe. Es ist aber in jedem Fall mein Ziel, wieder zum Kern des DEB-Teams zu gehören.

A propos Mannheim – wie fällt dein Fazit zu deinen beiden Jahren dort aus? Dein Werdegang hatte dich ja von Nürnberg wieder zurück zur DEG und dann „back to the roots“ nach Mannheim geführt…
Daniel Fischbuch: Die beiden letzten Jahre liefen sehr ambivalent. Im ersten Jahr hatten wir brutales Verletzungspech und teilweise fielen sechs, sieben Stammspieler gleichzeitig aus. Das wirft selbst einen Topklub wie Mannheim aus der Bahn. Im zweiten Jahr lief es für mich persönlich eigentlich gut. Ich war lange Topscorer, habe aber am Ende nicht mehr die Eiszeit bekommen, die ich mir gewünscht hätte, und habe leider auch ein paar Playoff-Spiele verpasst. Trotzdem: Mannheim ist ein top-professionelles Team, fast schon auf NHL-Niveau, und ich habe viel aus den letzten beiden Jahren dort mitgenommen.

Dieses Jahr spielst du nun bei den Iserlohn Roosters und wurdest direkt zum Teamcaptain gewählt. Wie kam es dazu?
Daniel Fischbuch: Ursprünglich hatte ich ja sogar schon bei der Düsseldorfer EG unterschrieben. Durch deren Abstieg in die DEL2 wurde dann aber alles anders. Iserlohn und das ganze Team dort haben sich extrem um mich bemüht, und am Ende fiel es mir sehr einfach, die Entscheidung für die Roosters zu treffen – zumal wir aufgrund der machbaren Entfernung mit der Familie dennoch in Düsseldorf wohnen können. Kapitän zu sein, ist eine neue Rolle für mich, aber eine, die ich gerne annehme. Hier ist alles sehr familiär, und die Mannschaft macht Spaß – auch wenn es in der Tabelle gerade leider nicht so aussieht.

Vor Kurzem hast du dein 700. DEL-Spiel absolviert. Ein Meilenstein auch für dich persönlich?
Daniel Fischbuch: Absolut! Ich merke immer mehr, wie schnell alles geht. 700 Spiele sind verrückt. Ich bin 32, das ist zwar nicht alt, aber auch nicht mehr jung. Jetzt sauge ich alles bewusster auf und genieße jeden Moment. Mein Ziel wären tatsächlich noch die 1.000 Spiele. Wenn der Körper mitmacht und ich weiterhin Spaß habe, spiele ich, solange es geht. Es ist ein Privileg und ich bin unendlich dankbar dafür.

Deine Kinder spielen inzwischen beide auch Eishockey. Wie besonders ist das für dich?
Daniel Fischbuch: Sehr besonders. Sie sind vier und sieben und in einem Alter, in dem sie schon viel mitbekommen und alles aufsaugen. Ich nehme sie oft mit in die Kabine und dann strahlen immer die Augen, das ist Wahnsinn. Auch bin ich oft als Helfer auf dem Eis, wenn sie Training haben. Und ich merke, dass sie stolz sind, wenn andere Kinder zu mir kommen und ein Foto oder Autogramm wollen. Das macht mich als Papa dann gleich doppelt stolz.

Du warst vor ein paar Jahren auch mal beim Development Camp der Los Angeles Kings – wie war der Einblick in die NHL-Welt?
Daniel Fischbuch: Eine komplett andere Welt! Die Kabine, das Gym, der Spa-Bereich – das ist next Level. Ich war kurz nach der Sommerpause dort und hatte vorher noch kaum Eiszeit zur Vorbereitung gehabt. Es war deshalb klar, dass es vor allem ums Reinschnuppern ging, aber das Erlebnis war unglaublich. Das Wetter, die Organisation und Infrastruktur waren wirklich ein kleiner Traum.

Wenn du auf die letzten Jahre zurückblickst – was nimmst du mit?
Daniel Fischbuch: Dass alles extrem schnell geht. Und dass man vor allem dankbar sein muss. Für 700 DEL-Spiele, vier Weltmeisterschaften, für die ganze Karriere, aber auch für meine Familie und meine Kinder, die das miterleben – das ist das Schönste von allem.

„Young Fischi“ 2016 bei unserem Kennenlern-Gespräch in Düsseldorf. Foto: Marcel Tschamke

Öffentliches Interview im Jahr 2018 mit Nachwuchsspielern des Heilbronner EC in der „Inselspitze“ unter der Friedrich-Ebert-Brücke. Foto: Marcel Tschamke

Daniel Fischbuch (rechts) und der damals 15-jährige Turner Milan Hosseini beim gemeinsamen Gespräch in der Kabine der Eisbären Berlin. Foto: Frank Ziegenrücker