Corey Mapes: Stolz auf das Erreichte
Der Name Corey Mapes ist jedem ein Begriff, der sich in Heilbronn nur ansatzweise für Eishockey interessiert. Nach über 600 Spielen nennen die Fans der Heilbronner Falken den Verteidiger liebevoll „Eishockeygott“. Doch der Schwaigerner, der ein echtes Eigengewächs des Heilbronner EC ist, hatte auch mal die ganz große Karriere im Blick. Als wir ihn und Daniel Fischbuch 2016 für die erste SPORTHEILBRONN-Ausgabe besucht hatten, spielte er bei der Düsseldorfer EG in der Deutschen Eishockey-Liga. Der damalige DEG-Co-Trainer Tobias Abstreiter bescheinigte ihm bei unserem Gespräch „gute Voraussetzungen für eine tolle Laufbahn“. Knapp zehn Jahre später werfen wir gemeinsam mit Corey nochmal einen Blick zurück auf seine letzten zehn Jahre. Einleitung: Ralf Scherlinzky / Text: Lara Auchter

Autor: Lara Auchter

Corey, unser erstes Treffen liegt inzwischen fast zehn Jahre zurück. Damals im April 2016 in Düsseldorf, du warst 23, DEL-Spieler – und wir haben dich und Daniel Fischbuch als „die Heilbronner DEL-Jungs“ vorgestellt. Wenn du heute darauf zurückblickst: Was kommt dir als Erstes in den Sinn?
Corey Mapes: Ehrlich gesagt, wie schnell alles gegangen ist. Damals dachte man noch, man hat alle Zeit der Welt. Ich weiß noch genau, wie ihr mit dem Fotografen nach Düsseldorf gekommen seid, wir im hinteren Bereich der Arena saßen und einfach quatschten – alles war so locker und unbeschwert. Und ein paar Wochen später hieß es plötzlich, der Vertrag wird nicht verlängert. So schnell kann sich im Profisport alles drehen.
Kam das Ende in Düsseldorf für dich überraschend?
Corey Mapes: Ja, schon. Ich war gerade aus dem Förderlizenzalter raus und es lief eigentlich ordentlich. Aber dann steht man plötzlich vor der Entscheidung: Bin ich für den Verein ein fester Top-Sechs-Verteidiger oder eher nur die Nummer sieben, die wenig Eiszeit bekommt? Und wenn sich ein Klub verjüngen möchte, bist du schnell raus. Rückblickend war es eine harte, aber wichtige Erfahrung.
Danach ging dein Weg über Kassel zurück nach Heilbronn. Wie bewusst war diese Entscheidung?
Corey Mapes: Sehr bewusst, und gleichzeitig auch ein Stück weit ein Schritt ins Ungewisse. Kassel war Zweitligameister, ich hatte sportlich zwar kein schlechtes Jahr, aber es hat nicht gereicht für den Weg zurück in die DEL. Und dann kam Heilbronn. Die Falken haben vier Jahre zuvor immer Playdowns gespielt und es war kein einfacher Standort. Aber ich dachte mir, warum nicht? Ich bin wieder daheim und kann hier etwas aufbauen. Und je älter man wird, desto klarer wird einem, dass der Weg nach oben nicht immer realistisch ist.
Heute bist du die Identifikationsfigur bei den Heilbronner Falken, hast über 600 Spiele absolviert und bist Fanliebling. Hättest du dir das damals vorstellen können?
Corey Mapes: Nein, überhaupt nicht. Ich bin denke ich mit der Zeit da hineingewachsen. Hier in Heilbronn bin ich groß geworden, hier kennt man mich, ich kenne die Leute, die Fans, die Sponsoren. Diese Leidenschaft, die ich hier empfinde, könnte ich bei keinem anderen Klub eins zu eins reproduzieren. Das hat man nur beim Heimatverein und das ist etwas Besonderes.
Wie nimmst du deinen Spitznamen „Eishockeygott“ auf?
Corey Mapes: Das nehme ich mit einem Augenzwinkern hin (lacht). Ich weiß, dass das nicht wegen vielen Toren oder Highlights ist. Die Leute wissen, wie ich ticke. Ich arbeite hart, blocke Schüsse, übernehme Verantwortung und stehe für das Team ein. Dass die Fans das sehen und wertschätzen, bedeutet mir extrem viel.
Sportlich ging es mit Heilbronn lange stetig nach oben, besonders in der Corona-Saison deutete alles auf die DEL2-Meisterschaft hin. Dann folgte 2023 der Absturz in die Drittklassigkeit. Wie hast du diese Phase erlebt?
Corey Mapes: Das war hart, keine Frage. Wir hatten Jahre, in denen wir konstant in den Playoffs waren. Und dann gerätst du plötzlich in einen Strudel, aus dem du nicht mehr rauskommst – und dann steigst du ab. So ist der Sport. Trotzdem: Ich sehe Heilbronn weiterhin als Standort für die DEL2. Einfach wird es nicht, aber ich würde sehr gerne noch einen Aufstieg mit den Falken erleben.
Parallel hat sich dein Leben privat stark verändert.
Corey Mapes: Total. Wir haben ein Haus gebaut und eine Familie gegründet. Mit Familie und Kindern verschieben sich Prioritäten automatisch. Du denkst langfristiger und irgendwann weißt du: Hier willst du bleiben. Hier ist deine Heimat.
Gab es irgendwann mal Gedanken, es doch noch einmal in der DEL zu versuchen?
Corey Mapes: Realistisch gesehen nein. Mit 25, 26 ist der Zug für viele deutsche Spieler einfach abgefahren. Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden, den ich gegangen bin. Und wenn ich heute sehe, was ich mir hier in Heilbronn aufgebaut habe, bereue ich nichts.
Wie lange möchtest du noch aktiv spielen? Und denkst du schon an die Zeit nach der aktiven Karriere?
Corey Mapes: Solange es mir Spaß macht und ich mithalten kann, werde ich auch noch spielen. Ich bin jetzt 33, fühle mich gut und habe noch Lust. Im besten Fall spiele ich noch ein paar Jahre – idealerweise mit einem Aufstieg. Für die Zukunft weiß ich nur eines – Trainer zu werden, kann ich mir Stand jetzt nicht vorstellen. Eher etwas im organisatorischen oder sportlichen Managementbereich. Oder vielleicht auch etwas komplett anderes. Durch den Sport und die Sponsoren hat man ein Netzwerk, das viele Möglichkeiten eröffnet.
Wenn du heute auf deine Karriere zurückblickst – was überwiegt?
Corey Mapes: Zufriedenheit. Klar hätte manches anders laufen können. Aber ich habe über 600 Spiele gemacht, bin Führungsspieler und habe mir in Heilbronn einen Namen gemacht. Das erfüllt mich. Ich bin stolz darauf, was ich hier erreicht habe – und darauf, dass ich diesen Weg so gegangen bin.