Eduard Popp: „Man wird ruhiger und reflektierter.“
Die Geschichte von SPORTHEILBRONN ist ganz stark mit Eduard Popp verbunden. Am 15. Februar 2016 war Eddi der erste Sportler überhaupt, den wir für das Magazin interviewt haben. Damals war der Neckargartacher 24 Jahre alt und hatte sich, unterstützt vom damaligen VfL Neckargartach und einigen persönlichen Partnern, in der heimischen Römerhalle auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 vorbereitet. Noch stand zu diesem Zeitpunkt in den Sternen, ob er es nach Rio schaffen würde. Heute, mit 34 Jahren, wohnt der Griechisch-Römisch-Spezialist mit seiner Frau Annika und den drei Kindern in Möckmühl. Er ist zweifacher Olympia-Teilnehmer (Platz 5 in Rio 2016, Platz 8 in Tokio 2021), holte Bronze bei der Europameisterschaft 2021 und vier Titel bei Deutschen Meisterschaften. Seine internationale Karriere hat er 2023 beendet, in der Bundesliga ist er aber weiterhin in der Klasse bis 130 Kilogramm aktiv – nach dem Rückzug der Red Devils Heilbronn seit dieser Saison im Trikot des SV Germania Weingarten. Wir blicken gemeinsam mit Eddi auf seine sportliche Laufbahn zurück. Einleitung: Ralf Scherlinzky / Text: Lara Auchter

Autor: Lara Auchter

Eddi, als wir uns das erste Mal getroffen haben, hattest du um die Olympia-Qualifikation gekämpft. Heute hast du deine internationale Karriere beendet und ringst nur noch in der Bundesliga. Wenn du auf deine Karriere blickst, wie würdest du deinen Weg beschreiben?
Eduard Popp: Es war ein sehr intensiver Weg mit vielen Stationen und unterschiedlichen Phasen. Am Anfang steht natürlich dieser Traum vom internationalen Spitzensport, von großen Turnieren, von Olympia. Das prägt einen enorm – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. Du lernst sehr früh, was es heißt, alles dem Sport unterzuordnen, ständig an Grenzen zu gehen und dich mit den Besten zu messen. Das habe ich mit den Spielen 2016 und 2021 besonders erlebt und jahrelang auf Welt-Niveau erfahren. Mit den Jahren und dem Ende der internationalen Karriere verändert sich dann der Blick. Man wird ruhiger und reflektierter. Die Bundesliga, die vorher neben der persönlichen Karriere nur eine untergeordnete Priorität hatte, bekommt eine andere Bedeutung. Man hat Verantwortung für die Mannschaft, für den Verein, für jüngere Athleten. Heute sehe ich meine Karriere nicht mehr als eine Abfolge von einzelnen Höhepunkten, sondern als einen zusammenhängenden Prozess, der mich Schritt für Schritt geformt hat.
Worin siehst du deine größte Entwicklung?
Eduard Popp: Ganz klar im Umgang mit mir selbst. Früher war vieles sehr emotional und impulsiv. Niederlagen haben länger nachgewirkt, Siege vielleicht auch stärker gepusht, als es gut war. Heute kann ich besser einordnen, was ein Kampf wirklich bedeutet. Ich habe gelernt, dass nicht jeder Rückschlag ein Drama ist und nicht jeder Sieg alles sagt. Gerade im Ringen hast du Phasen, in denen es läuft – und andere, in denen du kämpfen musst, um überhaupt wieder reinzukommen. Diese Gelassenheit kommt nur mit Erfahrung.
Ringen gilt als eine der härtesten Sportarten überhaupt – körperlich wie mental. Wie nimmst du das heute wahr?
Eduard Popp: Es ist und bleibt brutal ehrlich. Auf der Matte gibt es keine Ausreden. Du kannst nichts verstecken, weder körperlich noch mental. Vorbereitung, Tagesform, Kopf – alles kommt zusammen und entscheidet auf der Matte über Sieg oder Niederlage. Gerade das Gewichtmachen ist etwas, das viele unterschätzen, besonders für den Kopf. Du musst diszipliniert sein, deinen Körper kennen und respektieren. Das hat mich über die Jahre sehr geprägt – auch außerhalb des Sports.
Du bist 2025 nach dem Rückzug der Red Devils Heilbronn aus der Bundesliga nach Weingarten gewechselt. Welche Rolle spielte für dich dein Heimatverein?
Eduard Popp: Eine sehr große, und es tat natürlich weh, dass der Ringsport in Heilbronn in dieser Form nicht mehr funktioniert hat. Der Verein ist Rückhalt, Struktur und Heimat zugleich und ich habe hier in Heilbronn sehr viel erreicht. Ich bin nie zu einem Olympiastützpunkt gewechselt, sondern habe immer versucht, meinen eigenen Weg zu gehen – auch mit der Hilfe des Vereins. Ohne diesen Rückhalt und die Unterstützung wäre vieles nicht möglich gewesen.
Wenn du heute auf die Zeit seit dem ersten SPORTHEILBRONN-Interview zurückblickst – was nimmst du für dich mit?
Eduard Popp: Dass Entwicklung Zeit braucht. Dass man nicht immer alles kontrollieren kann, aber immer entscheiden kann, wie man damit umgeht. Ich bin nicht weniger ehrgeizig geworden, aber bewusster. Ich höre mehr auf meinen Körper, auf meinen Kopf – und ordne Dinge anders ein. Ringen hat mir beigebracht, für Ziele zu arbeiten, Rückschläge auszuhalten und trotzdem dranzubleiben. Das sind Dinge, die weit über den Sport hinausgehen.
Mit Weingarten hast du es in dieser Saison in das Bundesliga-Finale geschafft. Wie lange bleibst du dem Ringsport noch erhalten?
Eduard Popp: Solange mein Körper mitmacht und die Motivation da ist. In Weingarten haben wir ein tolles Team, professionelle Strukturen und noch einige Ziele. Es macht mir immer noch sehr viel Spaß und ich freue mich tatsächlich jedes Wochenende auf den Kampf.