Markus Pommer: Über Formel 2 und GT3 zu den Prototypen

Markus Pommer ist der bislang wohl erfolgreichste aus Heilbronn stammende Rennfahrer. Er begann im Alter von acht Jahren mit dem Kartsport und stieg 2007 in den Formel-Rennsport ein. Beim Interview für unseren ersten gemeinsamen SPORTHEILBRONN-Beitrag hatte er 2019 mit etwas Wehmut davon berichtet, wie er 2012 nur einen Reifenplatzer von einer Formel 1-Testfahrt bei Williams weg war, die damals für den Sieger der Formel-2-Serie ausgeschrieben war. 2016 wechselte er in den GT3-Sport, wo er fünf Jahre hintereinander in der ADAC GT Masters Serie fuhr. 2021 entdeckte der Untereisesheimer seine Liebe für den Prototypen-Rennsport. Zwei Jahre fuhr er im Rahmen der European Le Mans Series (ELMS) in der dortigen Königsklasse LMP2 und wechselte dann in den Prototype Cup Germany, den er 2023 und 2024 gewinnen konnte. Nach der Saison 2025 im European Le Mans Cup sondiert der 35-Jährige, inzwischen zweifacher Familienvater und Fulltime-Immobilienbetriebswirt, seine Optionen für 2026. Nachdem wir Markus in den letzten Jahren am Hockenheimring, am Norisring und in Spa-Francorchamps an der Rennstrecke besucht hatten, führte unser Weg diesmal „nur“ nach Untereisesheim, wo wir die vergangenen Jahre nochmal gemeinsam haben Revue passieren lassen.

Autor: Lara Auchter

1. Februar 2026

Markus, wir sitzen hier für unsere Abschiedsausgabe – und blättern gleichzeitig zurück bis Sommer 2019, zu deinem ersten großen „Auftritt“ in SPORTHEILBRONN-Ausgabe 13. Was geht dir durch den Kopf, wenn du diese sechseinhalb Jahre Revue passieren lässt?
Markus Pommer: Wie schnell alles vergangen ist. Damals hatten wir uns bei meinem GT Masters-Team Callaway Competition in Leingarten getroffen und hatten uns kurz zuvor bei einem Sponsoren-Event der Red Devils Heilbronn in den Räumen der VR-Bank kennengelernt. Wenn ich heute diese Ausgabe sehe, fühlt sich das gleichzeitig nah und unglaublich weit weg an.

Motorsport gilt oft als kurzlebig. Du bist aber über Jahre auf hohem Niveau geblieben. Warum war das bei dir möglich?
Markus Pommer: Weil der Motorsport in gewisser Weise gnädiger ist als andere Sportarten. Natürlich gibt es auch hier Altersgrenzen, gerade auf dem absoluten Topniveau wie in der Formel 1. Aber insgesamt kannst du länger konkurrenzfähig bleiben – wenn du die Leistung bringst. Und das war für mich immer entscheidend: Competition. Solange ich mithalten kann, habe ich auch Lust weiterzufahren.

Trotz deines Seriensiegs im Formel-3-Cup 2014 und deiner beiden Titel im Prototype Cup Germany 2023 und 2024 hast du zum Teil auch auf den allerletzten Drücker den Gewinn von Meisterschaften verpasst. Wie 2012, als du wegen eines Reifenschadens im letzten Rennen die FIA-Formel-2-Meisterschaft verpasst hast. Oder 2018, als du als GT Masters-Leader im letzten Saisonrennen die Pole Position hattest und direkt in der ersten Runde von der Strecke geschoben wurdest. Und als wir 2019 am vorletzten Wochenende der Saison in Hockenheim vor Ort dabei waren, wart ihr eigentlich auch als Favoriten in die beiden Rennen gestartet und wir wollten mit euch feiern. Doch dann kam wieder alles anders…
Markus Pommer: Ja, das war fast schon tragisch. Nach der Enttäuschung mit dem verpassten GT Masters-Sieg 2018 haben wir 2019 in Hockenheim unsere Titelchancen verloren – und beide Male war in der ersten Runde Schluss, unverschuldet. Am Samstag wurde ich nach einer halben Runde abgeräumt, und nachdem das Team die zerstörte Corvette über Nacht wieder hergerichtet hatte, fuhr am Sonntag meinem Teamkollegen in der ersten Kurve einer rein. Gerade beim Heimspiel ist das bitter. Aber so ist Motorsport, manchmal entscheidet nicht nur dein Können, sondern ein Moment, den du nicht kontrollieren kannst.

2019 endeten die GT Masters-Titelträume in Hockenheim in einem heftigen Crash. Kaum zu glauben: Das Team von Callaway Competition hatte die Nacht durchgearbeitet, so dass das Auto am Sonntag bereit für den zweiten Lauf war – nur, um dann in der ersten Kurve von einem Konkurrenten abgeschossen zu werden. Foto: Marcel Tschamke

Trotzdem kannst du bisher auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken….
Markus Pommer: Ja klar. Natürlich hätte ich diese Titel gerne geholt. Aber ich habe Renn- und Seriensiege gefeiert, stand kurz vor dem GT-Masters-Titel, bin internationale Serien gefahren und habe bei den Prototypen im LMP2-Cockpit Runden gedreht. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.

Der Wechsel vom GT-Sport in den Prototypenbereich war ein großer Schritt. Warum hast du diese Veränderung gebraucht?
Markus Pommer: GT3 macht Spaß, aber dort spielt die Car-Perfomance eine riesige Rolle. Im Prototypenbereich hast du wieder einen echten Rennwagen: kein ABS, alles aus Carbon. Fahrerisch ist das etwas ganz anderes. Dort kannst du als Fahrer wieder mehr beeinflussen, und das hat mich gereizt.

Gleichzeitig hast du auch erlebt, wie schwer es ist, sich in diesen Serien dauerhaft zu etablieren.
Markus Pommer: Ja, in der LMP2 herrscht bei der ELMS ein extrem hohes Level und mein Team war nicht wirklich konkurrenzfähig. Da reicht es nicht, schnell zu sein, denn zu 80 Prozent braucht man ein gutes Team und viel Budget. Nach zwei Jahren ohne große Erfolge muss man ehrlich zu sich sein: Das kratzt dann auch am Selbstvertrauen. Aber selbst das nehme ich als wertvolle Erfahrung mit.

Du bist danach wieder einen Schritt zurückgegangen – und hast im LMP3-Auto, im Prototype Cup Germany, zweimal den Titel geholt.
Markus Pommer: Genau. Dort war die Chancengleichheit wieder größer, der Fahrer konnte mehr ausmachen und es war ein unglaublich hohes fahrerisches Niveau. Das hat Spaß gemacht. Schade ist nur, dass der Prototypensport in Deutschland nie wirklich gezündet hat. In Frankreich ist das mit der Le Mans-Serie eine riesige Nummer – bei uns fehlte der Push, weshalb die Deutsche Serie jetzt leider auch eingestellt wurde.

Parallel hat sich dein Leben abseits der Rennstrecke stark verändert.
Markus Pommer: Definitiv. Ich arbeite inzwischen Vollzeit und habe zwei Kinder. 2019 habe ich noch nebenbei studiert, heute ist das Leben ein anderes. Aber alles passt gut zusammen. Und ich habe immer gesagt: Ich will Motorsport betreiben und die Balance zwischen Privatleben und Racing halten.

Wie geht es bei dir sportlich weiter? Du hast in deiner Karriere immer gewusst, was realistisch zu dir passt und hast deine Teams und Serien bewusst ausgewählt…
Markus Pommer: Man muss realistisch sein. Motorsport ist Business. Selbst auf höchstem Niveau spielen Sponsoren, Politik und Netzwerke eine enorme Rolle. Das Talent allein reicht nicht – das habe ich früh gelernt. Deshalb versuche ich immer, den besten Spagat zu finden zwischen sportlichem Anspruch und Sinnhaftigkeit. Das Ziel bleibt, Prototypen zu fahren – idealerweise international und konkurrenzfähig. Ob das LMP3, irgendwann wieder LMP2 oder etwas anderes wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ich bin bewusst vorsichtig mit Ankündigungen. Aber ich weiß, ich habe das Rennfahren nicht verlernt.