Nils Haupt: Teamarzt bei Borussia Mönchengladbach
„Vorderer Kreuzbandriss – und jetzt?“, so lautete anno 2016 die Überschrift eines Gastbeitrags von Nils Haupt in der ersten Ausgabe des SPORTHEILBRONN-Magazins. Als Orthopäde und Unfallchirurg bei unserem langjährigen Werbepartner Medicross Zentrum Neckarsulm tauchte der 47-Jährige immer mal wieder in den Anfangsausgaben auf – sei es bei der dreiteiligen Serie über den Kreuzbandriss der Handballspielerin Luisa Weik, zusammen mit Boris Brand als Experte bei einer Runde von Sportlern mit Kreuzbandrissen oder mit weiteren Gastbeiträgen. 2021 zog es ihn dann wieder in seine Heimatstadt Mönchengladbach zurück. Über seinen Instagram-Account @docsportho haben wir seinen weiteren Weg mitverfolgt und sind im Juli 2025 auf seinen Post „Ich freue mich auf die ehrenvolle Aufgabe, Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga zu betreuen“ gestoßen. Kurz vor dem Jahreswechsel haben wir uns nun online getroffen, um mehr über seinen neuen Job als Mannschaftsarzt der Gladbacher „Fohlen“ zu erfahren.
Foto: Borussia/Christian Verheyen

Autor: Ralf Scherlinzky

Nils, herzlichen Glückwunsch zu deinem Job als Mannschaftsarzt von Borussia Mönchengladbach, um den dich sicherlich viele beneiden. Du warst ja schon immer Borussia-Fan…
Nils Haupt: Danke. Das stimmt aber nur zum Teil, denn eigentlich bin ich Fan der anderen Borussia, und mein Arbeitgeber weiß das auch (lacht). Ich bin als Kind mit meiner Familie von Dortmund nach Mönchengladbach umgezogen, war da aber dann fußballtechnisch schon schwarz-gelb geprägt.
Oh, das schreit nach einem inneren Konflikt, wenn in der Bundesliga Borussia gegen Borussia spielt…
Nils Haupt: Das hatten wir kurz vor Weihnachten in Dortmund zum ersten Mal. Da steht aber ganz klar die Professionalität über der Fan-Sympathie und ich hätte mir gewünscht, dass wir drei Punkte mit nach Mönchengladbach nehmen. Natürlich hat sich der Fan in mir irgendwie auch über den Dortmunder Sieg gefreut, aber wir Gladbacher hätten die Punkte sehr gut brauchen können. Das Wichtigste war aber, dass sich bei dem Spiel niemand verletzt hat.
Welchen Weg muss man gehen, um zu einem der 18 Ärzte in Deutschland zu werden, die einen Fußball-Bundesligisten betreuen dürfen?
Nils Haupt: Es ist wie überall: ein gutes Netzwerk ist von Vorteil. Ein Bekannter hatte mich angerufen und mir eröffnet, dass er mich bei der Borussia als potenziellen Mannschaftsarzt positioniert hat, da er gehört hatte, dass sie einen Nachfolger für meinen Vorgänger suchen. Dann kam eines zum anderen. Ich war seit dreieinhalb Jahren in einer Mönchengladbacher Praxis angestellt und habe dort gekündigt, denn eine solche Chance bekommst du kein zweites Mal. Parallel habe ich noch eine kleine Privatpraxis eröffnet.
Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?
Nils Haupt: Wir haben im Stadion unten den medizinischen Bereich, in dem mein Arztbüro ist. Man kann sich das wie eine kleine Praxis vorstellen. Hier untersuche ich die Spieler, habe ein Ultraschallgerät zur Verfügung und gleich neben dem Stadion ist ein MRT-Standort. Morgens schaut man sich erstmal die verletzten bzw. die in Reha befindlichen Spieler an und prüft, wie deren medizinische Entwicklung aussieht. Wenn die Mannschaft trainiert, stehe ich am Platz bereit. Ansonsten ist mit dem Job auch viel Papierarbeit verbunden.
Und du bist dann schätzungsweise auch bei allen Spielen dabei…
Nils Haupt: Wir sind zwei Ärzte und teilen uns die Spiele auf. Meist bin ich auswärts dabei und bin dort dann derjenige, den man im Fernsehen mit dem Eisspray auf den Platz flitzen sieht (lacht). Zuletzt bin ich jetzt im Januar auch zum Trainingslager in Belek mitgereist.
Worin unterscheiden sich deine Aufgaben am meisten von denen in einer Praxis wie dem Medicross Zentrum in Neckarsulm?
Nils Haupt: Das lässt sich nicht wirklich vergleichen. In der Praxis untersuchen wir und bestellen die Patienten nach der Diagnose ein paar Wochen später zur Nachuntersuchung wieder ein. Im Fußball-Leistungsbereich hast du die Zeit nicht. Verein und Spieler möchten natürlich die Genesungszeit so kurz wie möglich halten. Du musst alles versuchen, um die Akteure schnellstmöglich wieder auf den Platz zu bringen – deshalb auch die tägliche intensive Arbeit mit den Spielern.
Und wenn bei einem Spiel einer deiner Jungs auf dem Platz liegt, kannst du vermutlich nicht viel ausrichten und stehst unter Druck…
Nils Haupt: Da geht es tatsächlich immer erstmal um die Frage „Kannst du laufen?“ Der Spieler will natürlich weitermachen und du musst innerhalb von Sekunden entscheiden, ob er das wirklich kann. Dazu steht dir der Schiedsrichter im Nacken und möchte weiterspielen lassen. Das sind kurze, aber stressige Momente.
Gab es schon einen Moment, in dem du den Schritt bereut hast?
Nils Haupt: Ich habe das Privileg, wie zuletzt in Dortmund vor 80.000 Leuten, meinen Job machen zu dürfen und mitten im Geschehen dabei zu sein. Ich wohne in Mönchengladbach, also ist es für mich auch eine außergewöhnliche Ehre, für den Verein in der Bundesliga zu arbeiten. Also ganz klar: nein.