HHN Racing: Formular Student Team der Hochschule Heilbronn

Herzblut, Schweiß und Tränen fließen in rauen Mengen, wenn hinter den Mauern der Hochschule Heilbronn wieder eine neue Saison der Formula Student vorbereitet wird. Die Studentinnen und Studenten des HHN Racing Teams konstruieren und bauen ihre Rennfahrzeuge, mit denen sie die Wettkämpfe der Formula Student bestreiten, von der ersten Zeichnung an selbst. Wie das Projekt von den Anfängen bis zum fertigen Auto abläuft und was die Motivation der Teammitglieder ist, sich neben dem Studium noch so intensiv zu engagieren, darüber haben wir mit den Projektleitern Maximilian Balko und Jonas Straub vom HHN Racing Team gesprochen.

Fotos: Chelsey Jensen

Autor: Lena Staiger

27. Mai 2021

Dass es an der Hochschule Heilbronn ein Formula Student Team gibt, wissen viele. Was genau dahinter steckt, jedoch nur wenige. Erzählt doch mal, was ist euer Projekt und wie läuft das Ganze ab?

HHN Racing Team: Unsere Aufgabe ist es, Rennautos für die Formula Student zu konzipieren und zu bauen. Mit denen nehmen wir dann an verschiedenen Events teil. Organisiert sind wir als eingetragener Verein und alle Leute, die dabei sind, sind eingeschriebene Studenten der Hochschule Heilbronn oder des Bildungscampus. Viele denken, dass wir ein rein technischer Verein sind und dass bei uns nur Studenten aus den Bereichen Mechatronik, Automotive System Engineering und Maschinenbau mitmachen. Das stimmt aber nicht, wir haben auch einige Teammitglieder aus dem Bereich BWL, die dann die Organisation, das Marketing und das Sponsoring übernehmen. In guten Zeiten ohne Corona sind wir rund 60 Leute im Team. Mitmachen kann jeder Student, der bei uns dabei sein will. Wir haben da keinen aufwändigen Bewerbungsprozess wie manche Teams von anderen Universitäten oder Hochschulen. Eine Saison dauert bei uns immer ein Jahr, also zwei Semester.

Wie ist bei euch so eine Saison strukturiert? Baut ihr jedes Jahr ein neues Auto?

HHN Racing Team: Ja, jedes Jahr gibt es ein neues Modell. Unsere Saison startet normalerweise im September. Da formieren wir uns dann als Team neu, da viele wegen Praxissemester, Bachelorarbeiten oder dem Abschluss rausfallen und neue Studenten dazu kommen. Am Anfang steht dann eine Konzeptphase, in der die letzte Saison reflektiert wird. Was war gut und kann so übernommen und was sollte verbessert werden? Zwischendurch, im Januar und Februar, haben wir dann Prüfungen (wir sind ja normale Studenten, lacht), da ist dann die Arbeit am Projekt meist ein bisschen reduziert. Ab März steigen wir voll in den Aufbau des Fahrzeugs ein und ab Juni beginnen wir zu testen. Dafür haben wir immer ca. zwei Monate Zeit, bis dann im August die ersten Events anstehen.

Wo testet ihr eure Fahrzeuge?

HHN Racing Team: Die Inbetriebnahme können wir hier auf dem Gelände der Hochschule vornehmen. Die richtigen Testungen machen wir dann oft bei der Verkehrswacht Heilbronn oben auf dem Wolfszipfel. Das Testen ist sehr wichtig für uns, da es immer eine gewisse Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis gibt. Es ist durchaus auch schon vorgekommen, dass beim Testen beispielsweise die Lenkstange einfach abgerissen ist. Das wäre für den normalen Autofahrer natürlich der Supergau, wir können dann rechtzeitig vor dem Event noch gegensteuern.

Was passiert bei so einem Event? Geht es da wie in anderen Rennserien auch darum, wer als Erster durchs Ziel fährt?

HHN Racing Team: Nein, nicht ganz. Für unsere Events müssen wir uns erstmal über eine Art „Klausur“ qualifizieren. Dabei werden Fragen zum 200-seitigen Regelwerk und theoretische Fragen aus dem Studium gestellt. Dadurch, dass es ein internationaler Konstruktionswettbewerb ist, zählt bei uns nicht nur die Zeit. Normalerweise fahren wir pro Saison zu zwei bis drei Events. Diese finden in vielen verschiedenen Ländern statt: Österreich, Spanien, Tschechien, Schweiz, Italien und natürlich unser Heimrennen auf dem Hockenheimring. Jedes Event ist dabei mit seiner Wertung einzeln abgeschlossen.

In welchen Disziplinen wird eure Arbeit auf den Events bewertet?

HHN Racing Team: Im Gegensatz zu anderen Rennserien haben wir auch statische Disziplinen. Hier wird der Businessplan, der Cost Report und das Engineering präsentiert und bewertet. Außerdem haben wir dann noch verschiedene Renndisziplinen, bei denen es um das Fahrverhalten und die Geschwindigkeit geht.

Ihr deckt also letztendlich wirklich alle Bereiche ab, die ein Rennteam in einer anderen Serie auch abdecken muss.

HHN Racing Team: Ja, auf jeden Fall. Wir haben das Ganze aufgeteilt in technische und organisatorische Baugruppen. Die technischen Baugruppen setzen sich zusammen aus Rahmen, Fahrwerk, Motor, Antriebsstrang, Aerodynamik und Elektronik. Im organisatorischen Bereich haben wir Gruppen zum Thema Organisation, Sponsoring und Marketing. Wir legen sehr großen Wert darauf, dass jedes Teammitglied das machen kann, worauf es am meisten Lust hat und in das es am besten seine Stärken einbringen kann.

Wie viel Zeit steckt ihr neben dem Studium ins Projekt?

HHN Racing Team: Man kann die Teammitglieder in drei Gruppen aufteilen. Die, die ab und zu zwischen oder nach den Vorlesungen vorbeikommen und um die drei Stunden pro Woche ins Projekt investieren. Dann gibt es Studenten, die das Projekt gut vorantreiben und pro Woche zehn bis 15 Stunden mitarbeiten. Und dann gibt es noch die „Freaks“ wie uns, die mit 30 bis 40 Wochenstunden dabei sind.

Wow, das ist ja ein Vollzeitjob neben dem Studium. Woher nehmt ihr die Zeit und die Motivation, euch so zu engagieren? Bekommt ihr zumindest eine Aufwandsentschädigung?

HHN Racing Team: Nein, da wir als e.V. agieren, ist die ganze Arbeit sozusagen ehrenamtlich. Für uns ist es ein Hobby, in das man gerne Zeit investiert. Dafür werden dann auch mal Vorlesungen geschoben und das Studium ein bisschen in die Länge gezogen. Klar gibt es auch Zeiten, in denen es richtig anstrengend wird und man drei Tage nicht schläft, um noch rechtzeitig fertig zu werden. Aber wenn man dann vor dem fertigen Auto steht und weiß, das haben wir als Team geschafft, das ist schon ein krasses Gefühl (strahlt). Die Lebenserfahrung und das Fachliche, was man so nicht im Studium lernt, nimmt man aus dem ganzen Projekt mit.

Bekommt ihr jedes Jahr genügend Leute zusammen, um die Projekte erfolgreich gestalten zu können?

HHN Racing Team: Es reicht schon, aber man kann nie genug Leute im Team haben. Deshalb an dieser Stelle vielleicht gleich mal ein Aufruf an alle Studis von Hochschule und Bildungscampus: Meldet euch beim HHN Racing Team! Wir suchen nicht nur Technikfreaks, sondern auch Organisationstalente für unser Projekt. Ihr findet unsere Kontaktdaten auf unserer Homepage www.hhn-racing.de

Wie finanziert ihr euch eigentlich?

HHN Racing Team: Wir sind komplett von Sponsorengeldern abhängig. Als eigenständiger Verein bekommen wir von der Hochschule keine Förderung, außer die Bereitstellung der Räumlichkeiten. Wenn man unsere Arbeitszeit mal außen vorlässt und rein die Kosten betrachtet, benötigen wir pro Saison um die 70.000 Euro. Je höher das Budget, desto bessere Bauteile kann man sich natürlich leisten. Carbon ist beispielsweise sehr teuer, aber auch sehr leicht, was uns im Wettbewerb natürlich einen Vorteil verschafft. Wir haben einige wirklich tolle Sponsoren an unserer Seite, die teilweise auch die durch uns konzipierten Teile für uns bauen und uns beratend zur Seite stehen. Vom Budget her sind wir eher ein kleines Team, aber wir nutzen unser Geld sehr gut. Mit den teilweise sehr hohen Budgets der deutschen Top-Teams können wir allerdings nicht mithalten…

Welche Teams sind denn in Deutschland ganz vorne mit dabei und wo ordnet ihr euch ein?

HHN Racing Team: In Deutschland gibt es wirklich viele Teams. Fast jede Uni oder Hochschule, die etwas mit Technik zu tun hat, hat ein Racing Team. Zu den Top- Teams gehören auf jeden Fall Stuttgart und München. Da kommen dann wieder die Faktoren Zeit und Budget zum Tragen. Die Jungs und Mädels aus Stuttgart oder München nehmen sich nur für das Projekt Urlaubssemester und können so teilweise 60 bis 70 Stunden die Woche am Auto arbeiten, ohne nebenbei noch studieren oder Prüfungen schreiben zu müssen. Das Team der TU München hat zum Beispiel Audi als Sponsor und Stuttgart darf im Windkanal von Mercedes testen. Das sind natürlich andere Voraussetzungen als bei uns. Wir sind trotz deutlich kleinerem Budget in der oberen Mitte zu finden, womit wir auch zufrieden sind. Das Projekt betreuen wir ja neben dem Studium in unserer Freizeit, das darf man nicht vergessen…

Versucht man, sein Auto wie in der freien Wirtschaft auch, so lange wie möglich unter Verschluss zu halten?

HHN Racing Team: Nein eigentlich nicht. Die großen Teams sind zum Teil vertraglich dazu verpflichtet, da sie Bauteile von Sponsoren nutzen, die noch in der Entwicklung sind. Aber im Großen und Ganzen ist der Umgang untereinander sehr freundschaftlich und familiär. Auf den Events haben wir auch immer eine Benchmarkgruppe im Team, die dann zu anderen Teams hingeht und sich über spezielle Themen und Probleme unterhält. Was nicht gerne gesehen ist, ist nur nachzufragen, wie etwas funktioniert. Man sollte schon eine gewisse Idee und eigene Vorstellungen haben, dann helfen einem die erfahreneren Leute auch gerne weiter. Oder auch wenn bei einem Event mal Teile fehlen, hilft man sich untereinander aus.

Habt ihr in Zukunft neue Projekte in Richtung Elektroauto geplant?

HHN Racing Team: Ja, das haben wir tatsächlich. Im Moment sind wir schon dabei, einen Prototypen für einen Elektromotor zu entwickeln. Wir haben versucht, das auf Basis des Verbrenners zu machen, haben dann aber festgestellt, dass es sinnvoller ist, einmal eine komplett neue Grundbasis zu entwickeln.