Harry Mergel: „Ihr werdet eine Lücke hinterlassen.“

Hätte die Stadt Heilbronn damals nicht eine kleine finanzielle Starthilfe zugesagt, hätte es das SPORTHEILBRONN-Magazin vermutlich nie gegeben. Über die Befürworter Markus Otten (Vorsitzender Stadtverband für Sport Heilbronn), Karin Schüttler (Leiterin Schul-, Kultur- und Sportamt) und Agnes Christner (Bürgermeisterin für Soziales, Bildung, Kultur und Sport) war das Konzept für ein regionales Sportmagazin bei Oberbürgermeister Harry Mergel angekommen. Unbestätigten Überlieferungen zufolge soll erstmal einige Überzeugungsarbeit notwendig gewesen sein, ehe er als oberste Instanz am Ende doch noch sein OK gegeben hat. Seither sind fast zehn Jahre vergangen, in denen wir uns bei den verschiedensten Anlässen begegnet sind – und immer eine große Wertschätzung von Seiten des OB für unsere Arbeit erfahren haben. Für das letzte Kapitel der SPORTHEILBRONN-Geschichte haben wir uns nochmal für eine Stunde mit ihm zusammengesetzt, um die letzten zehn Jahre im Heilbronner Sport gemeinsam Revue passieren zu lassen. Text: Ralf Scherlinzky

Autor: Ralf Scherlinzky

1. Februar 2026

„Kann schon sein, dass ich damals entsprechend Bedenken geäußert habe, als ich euer Konzept auf den Tisch bekommen habe“, gibt Harry Mergel zu. „Das kam daher, dass ich früher mit einem Kollegen zusammen das Heftle der Union Böckingen gemacht habe und deshalb weiß, wie schwer das ist und welches Durchhaltevermögen es braucht. Heute kann ich aber sagen, dass SPORTHEILBRONN eine wichtige Stimme im Heilbronner Sport geworden ist. Ihr werdet eine Lücke hinterlassen, wenn es euch nicht mehr gibt.“

Die Hauptaufgabe der Stadtverwaltung im Sport sei es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass möglichst viele Menschen Sport treiben können. „In den letzten zehn Jahren konnten die Heilbronner Sportvereine mehr als 18.000 neue Mitglieder dazugewinnen – und das trotz der Corona-Pandemie, bei der sie über 3.000 Mitglieder verloren haben“, berichtet der OB. „Unsere strategisch beste Entscheidung war direkt nach Corona in Zusammenarbeit mit dem Stadtverband für Sport die Einführung des Heilbronner Sportpasses, durch den die Vereine neue Leute gewinnen und auch binden konnten, so dass die Heilbronner Vereine heute 47.000 Mitglieder zählen.“

Im Leistungssportbereich sieht der ehemalige Fußballspieler durchaus Potenzial, auch wenn Heilbronn im Spitzensport gerade eine leichte Talsohle durchlebe: „Es ist natürlich schade, dass wir bei unserem Aushängeschild Heilbronner Falken keine Stabilität reinbekommen. Aber wir haben auch Hoffnungsträger wie die Basketballer der TSG Heilbronn Reds oder den Hockeyclub der TSG, wo eine großartige Entwicklung nicht nur im sportlichen, sondern auch im sozialen Bereich erkennbar ist. Ein enormes Potenzial für den Heilbronner Sport liegt auch darin, dass immer mehr Studierende in die Stadt kommen. Das ist auch Teil unseres Sportentwicklungsplans für 2030.“

Einer der für ihn spannendsten Aspekte der letzten zehn Jahre seien die verschiedenen Persönlichkeiten, die der Heilbronner Sport hervorgebracht hat, so Harry Mergel weiter: „Leute wie Eduard Popp, Carina Bär oder Sebastian Heymann… Ich freue mich jedes Jahr darauf, wenn in der Heilbronner Stimme wieder die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten für die Unterländer Sportlerwahl veröffentlicht wird, denn da tauchen immer neue Namen auf, die ich noch nicht kenne.“

Auch beim Blättern durch die alten SPORTHEILBRONN-Ausgaben, die wir zu unserem Treffen mitgebracht haben, fallen dem 69-Jährigen wieder Namen und Anekdoten ein. Wie damals, Ende 2020, als wir ihn mit Eishockeyschlägern und Trikots besucht hatten, um ein Video für die Spendenaktion des Heilbronner EC zu drehen – was letztendlich zu einem Eishockeyspiel in seinem Amtszimmer „ausartete“. Und Fußballtrainer Rüdiger Rehm, so der OB beim Blick auf die Titelseite von Ausgabe 15, habe „das Potenzial zu einem ganz großen Trainer wie Jürgen Klopp“, wenn er nur endlich mal bei der Wahl seiner Vereine einen Volltreffer lande.

„Wenn du die Heftle durchguckst, hat das wirklich eine Qualität, das muss man schon sagen. Ich bedauere sehr, dass es das Magazin künftig nicht mehr geben wird“, macht er uns etwas verlegen – nur um mit der Frage zu schließen: „Darf ich die alten Ausgaben vielleicht hier behalten? Ich könnte da den ganzen Tag drin blättern…“