Falken, Adler und Jungadler: Eine einzigartige Dreiecksbeziehung

Die Heilbronner Falken und die Adler Mannheim – das passt einfach! Schon 2003, als die Heilbronner Falken GmbH gerade neu gegründet worden war, gab es erstmals eine Kooperation zwischen den beiden Standorten, die es den Toptalenten aus der Metropolregion ermöglichte, in Heilbronn wichtige Spielpraxis auf einem hohen Profilevel zu sammeln. Bis 2015 hatte man die Zusammenarbeit intensiviert, viele heutige Nationalspieler wurden in Heilbronn an das professionelle Eishockey herangeführt. Nach einer kurzen „Auszeit“ fand die Kooperation ab 2018 eine Fortführung und wurde intensiver denn je. Jetzt, im Jahr 2021, besteht zwischen den Falken in der DEL2, den Adlern in der DEL und den Jungadlern Mannheim in der DNL (Deutsche Nachwuchs-Liga) eine intensive Dreiecksbeziehung, die in Deutschland Ihresgleichen sucht. SPORTHEILBRONN beleuchtet genauer, was dahinter steckt…

Autor: Ralf Scherlinzky

19. November 2021

Arno Tiefensee, Florian Mnich, Moritz Wirth, Arkadiusz Dziambor, Philipp Preto, Luca Tosto, Valentino Klos, Florian Elias – all diese Spieler haben etwas gemeinsam: Sie stehen in der Saison 2021/22 sowohl im DEL-Kader der Adler Mannheim als auch im DEL2-Kader der Heilbronner Falken.

Damit befinden sich die acht jungen Spieler in einer privilegierten Lage. Wo die Toptalente anderer Organisationen oft direkt aus der DNL in das viel zu kalte DEL-Wasser geworfen werden, können sich die jungen Mannheimer als Förderlizenzspieler über die Station Heilbronner Falken an das Profieishockey herantasten und – im Idealfall – in der DEL2 zu guten DEL-Spielern heranreifen.

Dieses in den vergangenen Jahren erfolgreiche Modell wurde in der Sommerpause von den drei beteiligten Parteien Adler Mannheim, Jungadler Mannheim und Heilbronner Falken ausgebaut und in einem Mehrjahresvertrag manifestiert.

Gemeinsam hat man für die Heilbronner Falken ein Ziel für die DEL2- Saison 2021/22 definiert, an dem alle Beteiligten arbeiten und das von Anfang an die Basis für die Saisonplanung gebildet hat. „Unsere Zieldefinition besagt, dass wir am Ende der Hauptrunde eine Top-Sechs- Platzierung erreichen wollen“, berichtet Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp. „Anhand dieser Definition haben wir, unter Beachtung des vorhandenen Etats, die Anzahl der benötigten Falken-eigenen Spieler festgelegt und abgewogen, ob wir wie bisher die Quantität oder diesmal eher die Qualität der Spieler in den Vordergrund stellen. Wir haben uns für den Schwerpunkt Qualität entschieden, vor dem Hintergrund, dass wir jederzeit auf die Quantität aus der Organisation der Adler zurückgreifen können.“

Die Qualität der Spieler bezieht sich dabei aber nicht rein auf deren Können auf dem Eis, sondern genauso stark auf den Charakter des Einzelnen. „Eishockey ist ein Mannschaftssport, der nur funktioniert, wenn das Team intakt ist. Habe ich einen Topspieler, der in der Kabine Probleme macht, bringt mich das meinem Ziel nicht näher. Also muss ich mir Spieler, die ich verpflichten möchte, auch abseits der Eisfläche genauer anschauen“, so Stefan Rapp weiter.

Genau hier liegt für die Falken ein weiterer Vorteil der Kooperation mit Mannheim. Über das riesige Netzwerk von Adler-Sportdirektor Axel Alavaara und dessen Mitstreiter können die Falken über fast jeden Wunschkandidaten Informationen einholen, die über dessen Auftreten auf der Eisfläche hinausgehen. Auch hat das Wort der Adler bei den Spielern ein gewisses Gewicht, wenn sie diesen einen Wechsel nach Heilbronn nahelegen. „Heilbronn steht nicht bei allen Spielern auf der Wunschliste ganz oben. Da ist es dann schon hilfreich, wenn Axel Alavaara die eine oder andere Empfehlung ausspricht. Wie wertvoll dies ist, wird mir jedes Mal aufs Neue bewusst, wenn ich wieder einen Anruf von einem Manager-Kollegen aus der DEL2 bekomme, der mich um Neuzugänge wie Jeremy Williams oder Christopher Fischer beneidet“, weiß Stefan Rapp.

Die Infrastruktur und Attraktivität von Heilbronn für Familien trage dann bei einem ersten Besuch oft ihr Übriges dazu bei, dass ein Spieler mit Frau und Kindern in die Käthchenstadt wechselt. Stefan Rapp: „Die Leistung eines Spielers ist meist auch von der Familie im Hintergrund abhängig. Fühlt sich die Familie unwohl, hat der Spieler den Kopf nicht frei und kann seine Leistung nicht voll abrufen.“

Der Falken-Geschäftsführer ist sich der Kritik der Fans bewusst, dass sich die Organisation in eine zu große Abhängigkeit vom Kooperationspartner begeben habe: „Von außen betrachtet mag das zum Teil so aussehen. Aber die Abhängigkeit beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch die Adler und Jungadler brauchen uns als Kooperationspartner für den letzten Schritt der Ausbildung ihrer Nachwuchsspieler.“

Rapp macht aber auch klar, dass es in Heilbronn ohne die Kooperation kein Eishockey auf diesem Niveau geben würde. „Wenn wir den Anspruch haben, oben mitzuspielen, dann müssen auch die Infrastruktur in der Halle und das entsprechende Budget dafür vorhanden sein. Und solange dies nicht der Fall ist, muss man sich eben arrangieren“, erklärt er. Ein entscheidender Vorteil der Zusammenarbeit mit Mannheim sei, dass die Förderlizenzspieler bei den Adlern unter Vertrag stehen und deren Gehälter auch von dort bezahlt werden. „Das war vor allem während der letzten Saison ohne Zuschauereinnahmen ein überlebenswichtiger Faktor, auch wenn uns diese Spieler dennoch eine sechsstellige Summe pro Saison kosten, da sie ja auch Wohnung, Auto und Equipment von uns brauchen.“

Gleich zu Beginn der Saison 2021/22 wurde die Kooperation auf eine harte Probe gestellt. Aufgrund zahlreicher Ausfälle bei den Adlern mussten Spieler, die fest für Heilbronn eingeplant waren, nach Mannheim abgezogen werden. Dadurch entstand bei den Falken eine prekäre personelle Situation, die wiederum dadurch gelöst wurde, dass Nachwuchsspieler aus der DNL nach Heilbronn entsandt wurden.