Enni Wielsch: Der deutsche Rekord steht weiterhin

Nein, langweilig wurde es einem mit Enni Wielsch wahrlich noch nie. Wir haben den kleinen Wirbelwind Enni kennengelernt, als sie ca. sechs Jahre alt war. Regelmäßig haben wir uns über die Jahre beim Eishockey mit ihren Eltern getroffen, während sie durch das Stadion flitzte. Als wir dann 2016 mit dem SPORTHEILBRONN-Magazin starteten, galt Enni als eines der größten deutschen Shorttrack Skating-Talente, das wir in Ausgabe 3 vorstellten. Schon mit 12 Jahren wurde sie zur Gastautorin, als sie in unserer Serie „Enni testet“ verschiedene Sportarten ausprobierte und darüber schrieb. Nachdem sie sich mit 17 Jahren vom Leistungssport verabschiedet hatte, blieb es nicht lange ruhig um die Horkheimerin – denn von 2023 bis 2025 repräsentierte sie ihre Heimatstadt als Käthchen von Heilbronn. Inzwischen, mit 21 Jahren, ist sie Physiotherapeutin und betreut unter anderem die Handball-Männer des TV Flein. Ende 2025 hat sie uns nochmal in der Redaktion besucht, wo wir gemeinsam die Zeit ab Ausgabe 3 haben Revue passieren lassen. Text: Ralf Scherlinzky

Autor: Ralf Scherlinzky

1. Februar 2026

Enni, erinnerst du dich noch? Als wir das erste Mal über dich berichtet haben, ging es darum, ob du an den Olympiastützpunkt Dresden wechselst oder nicht.
Enni Wielsch: Daran erinnere ich mich gut. Ich war 12 und du hattest uns zuhause besucht. Dresden war für mich damals absolut ein Thema, denn ich hatte von einer Olympiateilnahme geträumt, und es hatte geheißen, dass ich das nur von Dresden aus schaffen könne. Heute bin ich froh, dass meine Eltern damals Wert darauf gelegt haben, dass ich erstmal hier meinen Schulabschluss mache. Rückblickend gesehen, wäre ich in Dresden kaputt gegangen. Viele aus meinem Umfeld, die den Schritt dorthin gemacht hatten, kamen mit Verletzungen und mental angeschlagen wieder zurück. Meine Eltern haben versprochen, dass sie mich stattdessen dreimal pro Woche nach Mannheim zum Training fahren. Und ich habe es dann von Mannheim aus zum Europapokal-Finale geschafft und war unter den Top-Fünf in Europa. Und ich habe den acht Jahre alten deutschen Rekord von Anna Seidel geknackt, der auch heute noch steht.

Wir haben oft hautnah mitbekommen, welchen riesigen Aufwand dein Vater betrieben hat, um dich zum Training zu fahren. Bei unserer Eltern-Gesprächsrunde in Ausgabe 12 wurde seine Aussage „Meine Tochter ist mein Hobby“ zur Headline des Artikels…
Enni Wielsch: Ja, das war eigentlich Wahnsinn. Er ist im Jahr über 35.000 Kilometer mit mir gefahren und ich hätte den Sport ohne seinen Einsatz nie so machen können. Wir waren ein eingespieltes Team und sind nicht nur nach Mannheim zum Training, sondern quer durch Europa zu Wettkämpfen gefahren. Vorher hatte ja schon mein Bruder Shorttrack Skating bis zum Gewinn der Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften betrieben, und mit ihm war meine Mutter ständig unterwegs gewesen. Als es dann bei mir losging, hat mein Vater übernommen.

Wieso hast du dann mit 17 aufgehört, nachdem ihr über Jahre einen so hohen Aufwand betrieben hattet?
Enni Wielsch: Das war im Corona-Jahr 2020. Ich hatte mit 17 meine Fachhochschulreife gemacht und bin dann noch einen Wettkampf gelaufen – das war die DM in Rostock. Und dann habe ich gesagt, das war es jetzt für mich. Das hatte vorher niemand gewusst. Ich hatte mir aber schon ein Jahr lang darüber Gedanken gemacht und mich immer wieder gefragt, was mir der Sport mit dem ganzen dahinterstehenden Aufwand noch gibt. Meine Trainingsgruppe in Mannheim, die ich wirklich geliebt habe, ist nach und nach wegen Studium, Ausbildung etc. auseinandergefallen und ich wusste nach der Corona-Pause auch einfach nicht mehr, worauf ich noch hintrainiere.

Trauerst du deinem Sport noch hinterher?
Enni Wielsch: Eigentlich nicht. Ich war aber jetzt im Herbst bei einer Fortbildung in Mannheim und bin abends wieder zweimal mit meiner alten Gruppe auf das Eis gegangen. Das hat unheimlich Spaß gemacht und wir haben uns vorgenommen, dass wir das künftig einmal im Monat machen – aber natürlich niemals mehr auf Leistungsebene. Im letzten Januar bin ich auch mal mit meinem Freund zur EM nach Dresden gefahren, um ihm zu zeigen, worum sich mein Leben gedreht hat, bevor wir uns kennengelernt haben. Dort habe ich viele alte Freunde und Bekannte gesehen, das war schon cool.

In den letzten Jahren warst du dann plötzlich in einer ganz anderen Rolle zu sehen, nämlich als Käthchen von Heilbronn. Wie kam es dazu?
Enni Wielsch: Meine Mutter hat mir von einem Infoabend zur Rolle der historischen Figur Käthchen von Heilbronn erzählt. Ich bin hingegangen, habe es mir angehört und fand es ganz cool, Heilbronn bei der jüngeren Generation ein bisschen attraktiver zu machen und die Stadt zu repräsentieren. Deshalb habe ich mich beworben – und plötzlich war ich Käthchen (lacht). Was ich in diesen beiden Jahren erlebt und welche Kontakte ich geknüpft habe, das war schon der Hammer. Ich war zwei Jahre lang im Käthchenkleid Dauergast auf dem Heilbronner Weindorf, da war ich in meinem Element (lacht).

Und jetzt dreht sich alles um deine berufliche Ausbildung?
Enni Wielsch: Zumindest vieles. Ich bin jetzt im letzten der vier Jahre meines ausbildungsbegleitenden Studiums als Physiotherapeutin und müsste, wenn alles gut läuft, in einem Jahr meinen Bachelor-Abschluss haben. Langfristig würde ich gerne Kinderphysiotherapeutin werden. Ansonsten renovieren mein Freund und ich gerade ein Haus in Brackenheim, in das wir dann einziehen werden.

Enni und SPORTHEILBRONN – da fällt einem unweigerlich wieder unser Experiment „Enni testet“ in den Ausgaben 6 und 7 ein, bei dem du verschiedene Sportarten ausprobiert und darüber geschrieben hast. Erinnerst du dich, wie das damals war?
Enni Wielsch: Ja klar! Das war eine richtig coole Mischung von Sportarten. Mir war es wichtig, vor allem Sachen zu testen, die man nicht unbedingt kennt. Das waren Lacrosse, Rugby, Boxen, Rollstuhlsport, Wasserball, Motocross, American Football und Baseball. Wenn ich mir heute die alten Ausgaben anschaue, habe ich da wirklich noch unschuldig ausgesehen (lacht).

Was ist dir von damals noch besonders in Erinnerung geblieben?
Enni Wielsch: Vor allem Lacrosse und Boxen. Beim Lacrosse war ich sogar noch ein zweites Mal, weil es mir total Spaß gemacht hat. Beim Boxen habe ich unter anderem Sparring mit dem damals frisch gebackenen Deutschen Meister Slawa Spomer gemacht. Draußen hatte es über 30 Grad und in der Halle habe ich geschwitzt wie noch nie zuvor in meinem Leben. Eigentlich hatte jede der acht Sportarten etwas Besonderes, und vor allem, wenn ich jetzt Jahre später die Bilder wieder sehe, erinnere ich mich gerne daran zurück. Das war eine coole Aktion damals.

 

„Enni testet“ mit der 12-jährigen Enni Wielsch in den Ausgaben 5 und 6: