Blick in die Zukunft: Was kommt auf den Heilbronner Sport zu?
Diese letzte SPORTHEILBRONN-Ausgabe dreht sich zwar hauptsächlich um Rückblicke, wir wollen es aber nicht versäumen, auch zu schauen, was in den nächsten Monaten und Jahren im Heilbronner Sport passieren wird. Deshalb haben wir uns zum Abschluss für einen gemeinsamen Blick in die Zukunft mit Karin Schüttler (Leiterin Schul-, Kultur- und Sportamt Heilbronn), Altin Zhegrova (Abteilungsleiter Sport der Stadt Heilbronn), Christoph Troßbach (Vorsitzender Stadtverband für Sport Heilbronn und Mitglied des Gemeinderats) und Herbert Tabler (stellvertretender Vorsitzender Stadtverband für Sport, Vorsitzender TG Böckingen und Mitglied des Gemeinderats) zusammengesetzt. Was wir dabei erfahren haben, macht Lust auf die nächsten Jahre, denn hinter den Kulissen ist auf Basis der Sportentwicklungsplanung für 2030 so einiges am Entstehen. Eines haben wir aber auch herausgehört: Es braucht von allen Beteiligten eine große Portion Geduld, denn von heute auf morgen lassen sich die ganzen Vorhaben nicht umsetzen. Text: Ralf Scherlinzky

Autor: Ralf Scherlinzky

„Wann kommt endlich die Großsporthalle?“ – „Wo sollen Eishalle, Schwimmbad und Rollschuhbahn hingebaut werden, wenn die alten abgerissen werden?“ – „Wieso hat die Stadt so wenige Sporthallen?“ – „Unser Verein hat nicht genügend Trainingsmöglichkeiten!“ – „Heilbronn soll eine Sportstadt sein?“
Die Stadt Heilbronn steht nicht nur in politischen Fragen, sondern auch beim Thema Sport unter Dauer-Beschuss. Vor allem in den sozialen Medien werden Fragen und Forderungen wie diese gestellt, die möglichst alle sofort erfüllt werden sollen. Dazu kommen vielfältige Wünsche von Vereinen und Veranstaltern, die bewertet und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden müssen.
Dass es im Heilbronner Sport Luft nach oben gibt, ist der Stadtverwaltung absolut bewusst. „Deshalb haben wir die Sportentwicklungsplanung 2030 zur Förderung und Weiterentwicklung des Heilbronner Sports ausgearbeitet, die auch vom Gemeinderat zur Umsetzung freigegeben wurde“, weiß Karin Schüttler. „Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Schul- und Vereinssport, Sportstätten, Profi-, Spitzen- und Leistungssport sowie Sport im öffentlichen Raum. An allen Säulen wird im Hintergrund intensiv gearbeitet“, so die Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamts weiter.
Da die Bereiche eng miteinander verwoben sind, können sie jedoch nicht nacheinander, sondern müssen parallel geplant und umgesetzt werden. Deshalb ist in den kommenden Jahren noch Geduld nötig, ehe erste Ergebnisse zu sehen sind.
Bauliche Maßnahmen
Zentraler Punkt ist dabei vor allem die Infrastruktur, wie Christoph Troßbach berichtet. „Wir müssen zunächst einmal die baulichen Grundlagen legen und orientieren uns dabei vorrangig am Bedarf des Schul- und Vereinssports. Sprich, wir kümmern uns erstmal um die fehlenden Hallenflächen, ehe wir andere Themen umsetzen können“, erklärt der Vorsitzende des Stadtverbands für Sport Heilbronn.
Um zumindest für den Schul- und Vereinssport kurzfristige Verbesserungen anbieten zu können, wird 2026 eine Online-Hallenbuchungsplattform umgesetzt, über die eventuelle freie Hallenzeiten gebucht werden können. „Das wird uns zumindest vorübergehend weiterhelfen. Aus dem Hallenbad Soleo holen wir dagegen bereits das Bestmögliche aus der bestehenden Infrastruktur heraus und wir haben dort vermutlich den effizientesten Belegungsplan in ganz Deutschland“, sagt Altin Zhegrova, der Abteilungsleiter Sport der Stadt Heilbronn. „Aber natürlich ist auch das kein Dauerzustand.“
Während die Mönchseehalle bereits aufwändig saniert wurde (Bild rechts), sollen im Rahmen der Sportentwicklungsplanung zwei weitere Hallen entstehen – eine in Böckingen auf der Schanz und eine in der Innenstadt, wobei hier der passende Standort noch nicht final gefunden wurde. Dazu kommt eine sogenannte „McArena“, eine überdachte Freilufthalle, die die TG Böckingen auf ihrem Vereinsgelände in der Jahnheide bauen wird. „Das ist eine günstige Halle, die wir zwar vorrangig für den Verein nutzen, die aber vor allem an Vormittagen auch für Schulen und Kindergärten zur Verfügung stehen wird“, erklärt Herbert Tabler, der nicht nur stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbands für Sport, sondern auch Vorsitzender der TG Böckingen ist.
Sanierung des Frankenstadions
Dass das Frankenstadion zeitnah für rund 3,3 Millionen Euro saniert und um eine Flutlichtanlage ergänzt werden soll, war im Dezember 2025 schon in der Heilbronner Stimme zu lesen. Doch dies ist erst möglich, wenn die entsprechenden Fördermittel vom Bund freigegeben werden. Karin Schüttler: „Im Rahmen des Bundesprogramms für die Sanierung kommunaler Sportstätten stellt die Regierung für 2025 und 2026 Förderungen in Höhe von je 333 Millionen Euro zur Verfügung, die nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt wurden – basierend auf deren Finanzkraft und Bevölkerungsanteil. Natürlich wollen und müssen wir versuchen, davon zu partizipieren.“
Neubau von Hallenbad und Eishalle
Bereits 2024 wurde bekannt, dass das Hallenbad, die Eishalle und das Rollsportstadion für die Erweiterung des Bildungscampus weichen müssen. Während die Suche nach geeigneten Standorten läuft, hat der Stadtverband für Sport bei einem „Speeddating“ die Bedarfe der davon betroffenen Sportvereine ermittelt. „Ihre größte Sorge ist, dass die Hallen abgerissen werden, bevor die Neubauten stehen. Hier hat der Oberbürgermeister aber schon zugesagt, dass dies nicht der Fall sein wird“, stellt Christoph Troßbach fest.
Wegweisend sei dabei die Sichtweise der Vereine in Sachen der oft diskutierten Multifunktionssporthalle gewesen: „Kein Verein sieht sich in der Lage, eine solche Halle an 365 Tagen zu füllen, weshalb wir das Wort ‚Sport‘ streichen und daraus eine ‚Multifunktionshalle‘ für verschiedene Nutzungsarten wie Kultur und Wirtschaft machen müssen. Für die Vereine würde diese Halle dann zur Highlighthalle werden, also zu einer Stätte, in der sie ihre sportlichen Highlights austragen können.“
Für Schwimmbad und Eishalle müsse man sich „knallhart an den Bedarfen orientieren“, so Troßbach weiter. „Bei einem Neubau des Soleo müssen wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die perfekte Struktur und Architektur finden, um möglichst viel Schwimmfläche zu bieten. Spannt man bei zehn Bahnen à 50 Metern die Trennleinen quer, bekommt man 20 Bahnen à 25 Meter, was exakt dem Bedarf entspricht, den wir in Heilbronn haben. Und bei der Eishalle ist klar, dass wir in Heilbronn eine zweite Eisfläche haben müssen. Dabei geht es auf der einen Seite um den Nachwuchs- und Amateursport beim Heilbronner EC und die Profis der Heilbronner Falken, aber vor allem auch um den Publikumslauf sowie um Eiszeiten für Schulen.“
Schule des Sports in Böckingen
Auf der Böckinger Schanz ist ein Schulcampus des Sports geplant, der über die Jahre zu einer Art Vorstufe der Olympiastützpunkte werden soll. Mit der Elly-Heuss-Knapp-Gemeinschaftsschule, der Heinrich-von-Kleist-Realschule und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium liegen dort drei Schulen auf engstem Raum beisammen. „Der Plan ist, dass wir in allen drei Schularten ein Sportprofil anbieten, um den Leistungssport in Heilbronn künftig von der Jugend auf etablieren zu können. Zum einen soll dort der Sportunterricht von drei auf fünf Wochenstunden erhöht werden, zum anderen sollen aber auch Freistellungen für Trainingslager und Wettkämpfe ermöglicht werden, in Verbindung damit, dass man auch mal eine Klausur vom Trainingslager aus schreiben kann“, erläutert Karin Schüttler.
Ein sehr sinnvolles Konzept, mussten wir doch allein in den zehn Jahren SPORTHEILBRONN aufgrund von oft fehlendem Verständnis von Seiten der Schulen und Lehrer einige sportliche Talente in andere Städte ziehen lassen. Mit dem Schulcampus dagegen könnten Nachwuchssportlerinnen und -sportler aus der Region in Heilbronn die Schule besuchen und sich im heimischen Umfeld zu Leistungssportlern entwickeln, ehe sie dann nach ihrem Schulabschluss an die Olympiastützpunkte wechseln.
„European Green Capital“ als Chance
Die Auszeichnung der Stadt Heilbronn als „European Green Capital 2027“ wird sich auch auf den Sport auswirken. Spannenderweise werden hier die Themen aktuell, die wir schon im Jahr 2022 über mehrere SPORTHEILBRONN-Ausgaben unter dem Überbegriff „Netzwerk nachhaltiger Sport“ gemeinsam mit den Vereinen ausgearbeitet hatten. „Ihr wart damals einfach eurer Zeit voraus“, lacht Altin Zhegrova, der damals von Seiten des Sportamts an unseren Treffen teilgenommen hatte. Die Stadt werde ihre Vereine dabei unterstützen, deren Veranstaltungen nachhaltiger zu gestalten – sei es bei Abfall, Mobilität, Energie oder Regionalität. „Es geht aber auch darum, beispielsweise bei der Beschaffung von Sportgeräten und Materialien darauf zu achten, dass diese der Kreislaufwirtschaft wieder zugeführt werden können. Das zweite Thema ist dabei der Sport im öffentlichen Raum – also die Förderung von naturnahen und niederschwelligen Bewegungsangeboten, für die keine große Infrastruktur benötigt wird“, so Zhegrova weiter. Damit deckt die Stadt ein weiteres Thema ihrer Sportentwicklungsplanung ab.
Veranstaltungshighlights 2026
Neben den traditionellen Großereignissen Trollinger Marathon (10. Mai) und Triathlon Heilbronn (14. Juni) wird am 9./10. August zum dritten Mal in Folge das Hochsprung-Meeting auf dem Marktplatz stattfinden. Doch nicht nur hier kommt die Weltspitze nach Heilbronn: Am 23. August gastiert einen Monat nach der Tour de France der Radprofi-Zirkus mit dem Zieleinlauf der Schlussetappe der Deutschland Tour in der Stadt – und wir haben schon 2024 gesehen, welche fantastische Atmosphäre der Radsport mit sich bringt.
Schon davor, vom 24. bis 26. Juli, findet das Landeskinderturnfest 2026 in Heilbronn statt, in dessen Rahmen rund 5.000 Kinder erwartet werden. „Darauf freuen wir uns besonders. Die meisten Wettkampfstätten und zahlreiche Mitmachangebote werden in der Innenstadt sein, unter anderem mit der Hauptbühne auf dem Kiliansplatz, so dass die Heilbronner mitten im Geschehen sein können. Die Kinder übernachten in den weiterführenden Schulen, verpflegt werden sie in der Eishalle“, erzählt Karin Schüttler.
In Heilbronn wird also auch 2026 wieder einiges los sein. Leider wird SPORTHEILBRONN nicht mehr darüber berichten können… :‘(
Von links: Herbert Tabler, Christoph Troßbach, Altin Zhegrova, Karin Schüttler und Ralf Scherlinzky mit den ersten SPORTHEILBRONN-Ausgaben von 2016. Foto: SPORTHEILBRONN
