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	<title>Prof. Dr. Dirk Schwarzer | sportheilbronn Magazin</title>
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		<title>Selbstbestimmte Motivation &#8211; Eine &#8222;zarte Pflanze&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Feb 2022 16:25:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 23]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Kürzlich rief mich ein Freund an: er habe seinen Schlüssel in der Wohnung vergessen und sich selbst ausgesperrt, ob ich vorbeikommen könne, um ihm zu helfen (es war sehr kalt an diesem Tag und ich habe einen Ersatzschlüssel). Selbstverständlich habe ich die 30-minütige Fahrt auf mich genommen, um ihm aus der Patsche zu helfen. Als wir uns vor Ort verabschiedeten, gab er mir eine Flasche seines teuersten Rotweins. Auf der Rückfahrt stellte ich mir dann folgende Fragen: Ist mein Freundschaftsdienst durch die Gabe dieser teuren Flasche entwertet worden? Welche Auswirkung auf meine Motivation hätte es, wenn er mir bereits vor dem Entschluss, ihm zu helfen, angekündigt hätte, mir (dann) eine Flasche Wein geben zu wollen? </strong></em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Motivation ist die Frage nach dem „Warum“ und dem „Wozu“ eines Verhaltens. Es geht um die Klärung der Beweggründe und der Ziele, die wir als attraktiv erachten. Warum entscheiden wir uns gegen die Kneipentour mit unseren Freunden und für die harte Trainingseinheit am Abend? Warum engagieren wir uns im Ehrenamt? Wozu möchten viele Freizeitsportler in einen sportlichen Wettbewerb treten und belassen es nicht bei der einsamen Jogging-Runde am Abend? Welche Anreize bieten Trendsportarten gegenüber etablierten Sportarten mit normiertem Regelwerk?</p>
<p>Motivation entsteht in aller Regel dann, wenn unsere persönlichen Bedürfnisse auf Gelegenheiten mit hohem Aufforderungscharakter treffen. So dürfte es zu einem Motivationszuwachs kommen, wenn eine ambitionierte Athletin mit einem starken Leistungsmotiv eine Einladung zu einem A-Länderspiel erhält. Auch die Wahl in die Vorstandschaft eines Sportvereins dürfte einen Ehrenamtlichen positiv bewegen, da er sein Organisationstalent und seine Erfahrungen für das Wohl der Vereinsmitglieder wird einsetzen können. Die Bedürfnisse – auch Motive genannt – sind in den beiden Beispielen ganz unterschiedlich, letztlich resultiert eine wirksame Motivation, die wiederum mit guten Leistungen, Zufriedenheit und Wohlbefinden in Zusammenhang steht.</p>
<p>Neben der reinen Menge an Motivation (viel oder wenig) sollte auch die Art der Motivation betrachtet werden. Wenn wir etwas tun, weil wir eine Bestrafung befürchten oder weil eine Belohnung in Aussicht steht, so spricht man von extrinsischer Motivation. Der Anreiz liegt in den erstre-benswerten Folgen einer Tätigkeit. Beispiele wären Bonuszahlungen in der Wirtschaft, die zu erwartende Nominierung für den Kader des Bundesliga-Teams oder das ersehnte Lob der Eltern nach einem wichtigen Sieg. Intrinsische Motivation liegt vor, wenn der Reiz oder der Sinn in der Sache selbst liegt: Der Flow bei einer Tiefschnell-Abfahrt, die Neugier bei der Entdeckung einer neuen Fahrradroute oder die Freude daran, jungen Menschen bei der Entfaltung ihrer Talente zu unterstützen (oder einem Freund aus einer Notlage zu helfen).</p>
<p>In älteren Studien der Motivationspsychologie ging man davon aus, dass intrinsische und extrinsische Motivation Gegenspieler seien: entweder wir sind durch die Freude und den Sinn einer Tätigkeit motiviert oder durch die Folgen, die aus einer Tätigkeit resultieren. Heute sieht man diese beiden Motivationsarten eher als sich ergänzend. Beispielsweise gehen wir (hoffentlich) gerne zur Arbeit, obwohl wir dafür entlohnt werden. Auch kann es zu einer Umwandlung von extrinsischer zu intrinsischer Motivation kommen: Wir schließen uns einer Gesundheitssport-Gruppe an und gehen zweimal pro Woche eine Stunde Walken. Der Arzt hat uns dieses Bewegungsprogramm aufgrund unserer hohen Blutdruckwerte verordnet. Anfangs fällt uns das wöchentliche Walken sehr schwer, wir tun es eben, weil es der Arzt gesagt hat und wir uns eine positive Veränderung unseres Gesundheitszustandes erhoffen. Mit der Zeit geht die ursprüngliche extrinsische in eine intrinsische Motivation über, letztlich müssen wir uns nicht mehr aufraffen und die regelmäßige Bewegung in einer Gruppe mit Gleichgesinnten bereitet uns plötzlich Freude.</p>
<p>Wie wir festgestellt haben, können sich beide Motivationsarten ergänzen. Allerdings können sie sich auch verdrängen. In der Psychologie wird dieses Phänomen „Motivationsverdrängung“ oder „Korrumpierungseffekt“ genannt. Wenn Menschen etwas aus eigenem Antrieb und gerne tun, dann kann unter Umständen eine Belohnung zu einem Motivationsverlust führen. Intrinsische Motivation, so der Psychologe Stefan Güntert (2017, S. 6), sei eine «zarte Pflanze», die sehr sensibel auf Manipulationsversuche reagiere. In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass Belohnungen (monetäre Anreize, Preise, Auszeichnungen etc.), die zwar gut gemeint sein mögen, intrinsische Motivation untergraben können, wenn sie von der belohnten Person in einer gewissen Art als kontrollierend und fremdbestimmt erlebt werden (wir erinnern uns an die anfangs erzählte Geschichte).</p>
<p>Im Grunde sind es drei zentrale psychologische Bedürfnisse, die für unsere intrinsische Motivation eine zentrale Rolle spielen: Wir möchten uns wirkmächtig und kompetent erleben (Kompetenz), darüber hinaus ist die Verbundenheit mit anderen Menschen ein starker Motivator (soziale Eingebundenheit), und schließlich drängt es uns nach selbstbestimmtem Handeln, bei dem wir in Einklang mit unseren Interessen, Stärken und Werten, frei von äußeren Zwängen unseren Aufgaben nachgehen können (Autonomie).</p>
<p>Die Befriedigung dieser drei Bedürfnisse ist der Schlüssel zu selbstbestimmter Motivation, auch in Sportorganisationen. Gerade im Umgang mit Freiwilligen im Ehrenamt dürfte eine kritische Diskussion zur Motivationsförderung entlang dieser drei Motive vielversprechende Ansätze liefern. Eine vereinsinterne Anerkennungs- und Wertschätzungskultur steht nicht im Widerspruch zur Motivationsverdrängung, sofern bei den ehrenamtlich Tätigen nicht das belastende Gefühl der Verpflichtung resultiert. Im Kern geht es um die Sinnhaftigkeit ehrenamtlichen Engagements: das Leben anderer Menschen wird bedeutsam beeinflusst, eine Orientierung am Gemeinwohl. Dies darf gerne durch informatives Feedback transparent gemacht werden, und zwar vor allem von den „Empfängern“ dieser Leistungen, nämlich den Vereinsmitgliedern.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Literatur<br />Dobelli, R. (2012). Die Kunst des klugen Handelns. 52 Irrwege, die Sie besser anderen überlassen. München, Carl Hanser Verlag<br />Güntert, S. T. (2015). Selbstbestimmung in der Freiwilligenarbeit. In T. Wehner &amp; S. T. Güntert (Eds.), Psychologie der Freiwilligenarbeit – Motivation, Gestaltung und Organisation (pp. 77-93). Heidelberg: Springer Verlag.</p></div>
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		<title>Die Rolle der Sportpsychologie bei Sportverletzungen</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/die-rolle-der-sportpsychologie-bei-sportverletzungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Aug 2021 13:02:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 21]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sportverletzung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Eine Sportverletzung ist eine unerwünschte Nebenwirkung des Sporttreibens. Laut Techniker Krankenkasse verletzen sich jährlich rund zwei Millionen Menschen beim Sport. Es darf vermutet werden, dass durch den höheren Anteil sportabstinenter Kinder und Jugendlicher während der Pandemie und eine dadurch verschlechterte Körperwahrnehmung die Verletzungsinzidenzen gerade im Schulsport ansteigen werden.</strong></em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><strong>Prof. Dr. Dirk Schwarzer </strong></p>
<p>Studiengangsleiter BWL-Dienstleistungsmanagement / Sportmanagement an der DHBW Heilbronn. Sportpsychologische Beratung und Betreuung von Leistungs- und Spitzensportlern. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp). Mietglied im Lehr-Team des Deutschen Tennisbundes e.V. Sportlicher Leiter beim Tennis-Weltranglistenturnier INTERSPORT Heilbronn-Open von 2005-2014.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In Sportarten wie Fußball, Handball oder dem alpinen Skifahren ist das Phänomen Sportverletzung (entstanden entweder durch Überlastungen oder Traumata; am häufigsten betroffen sind die unteren Extremitäten) eine fast alltägliche Begleiterscheinung, die auch aus sportpsychologischer Perspektive betrachtet werden kann. Vor allem dann, wenn die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht ist, können Verletzungsereignisse bei Athletinnen und Athleten heftige Krisen auslösen.</p>
<p>Solche Krisen durchleben jedoch nicht nur Profisportler. Auch (über-)ambitionierte Freizeitsportler, deren Selbstwertgefühl, Identität und soziale Anerkennung fast ausschließlich von ihren sportlichen Leistungen abhängen, tun sich in verletzungserzwungenen Trainings- und Wettkampfpausen oft schwer, Sinn in außersportlichen Feldern zu finden. Der Alltag hat seinen Rhythmus verloren, die Lebensbalance ist durch das fehlende, bislang haltgebende Training plötzlich ins Wanken geraten. Negative psychische Reaktionen wie Depressionen, erhöhte Ängstlichkeit, Grübeln, Gefühle von Ärger und Wut sowie ein schwaches Selbstbewusstsein sind Auswirkungen, die in Studien nachgewiesen wurden (Wiese-Bjørnstal et al. 1998). Auf physiologischer Ebene konnten erhöhte Werte von Stresshormonen festgestellt werden.</p>
<p>Die stärksten negativen Emotionen treten in aller Regel unmittelbar nach einer akuten Verletzung auf und lassen dann im Verlaufe der Rehabilitation – vor allem wenn sie erfolgreich verläuft – nach. Neben den negativen Folgen können in sehr seltenen Fällen auch positive Reaktionen festgestellt werden: Eine Verletzungszeit kann vorübergehend als Auszeit vom täglichen Leistungsdruck wahrgenommen werden, das gedankliche Durchspielen alternativer Lebensentwürfe für die nachsportliche Karriere wird nun möglich, gerade bei älteren Athletinnen und Athleten, die ihren Leistungszenit bereits überschritten haben. In Ausnahmefällen kann ein subjektiver Gewinn auch aus der stärkeren Aufmerksamkeit und Zuwendung aus dem persönlichen Umfeld resultieren (Hermann/Eberspächer 1994). Jedoch, um es nochmals zu betonen: Positive psychische Reaktionen auf Sportverletzungen sind die Ausnahme, nicht die Regel.</p>
<p>Wie schwer eine mentale Belastungsreaktion ausfällt, ist individuell unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem Art und Schweregrad der Verletzung beeinflussen die emotionalen Zustände nach einer Verletzung. Zum Beispiel ist ein Kreuzbandriss mit Rehabilitationszeiten von ca. sechs bis 12 Monaten zumeist mit erheblichen mentalen Anpassungsleistungen verbunden. Ebenso das Alter, die Verletzungsvorerfahrungen, Persönlichkeitsmerkmale wie Optimismus und Selbstwirksamkeitserwartung oder der Saisonzeitpunkt beeinflussen die psychischen Auswirkungen der Athletinnen und Athleten nach Sportverletzungen. Wichtig ist darüber hinaus das soziale Umfeld, sowohl bei der Verletzungsprävention als auch bei der Bewältigung der Verletzungsfolgen. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Verletzungsraten und dem Führungsstil von Trainerinnen und Trainern, auch die Kommunikation der medizinischen Abteilung mit dem Head Coach scheint relevant zu sein (Ekstrand et al. 2018 u. 2019).</p>
<p>Methoden der angewandten Sportpsychologie können Athletinnen und Athleten dabei helfen, eine emotional belastende Verletzungszeit „gut“ zu überstehen und – möglichst rasch, aber mit gebotener Vorsicht – zu voller Leistungsfähigkeit zurückzufinden. Unterschiedliche Ansätze ergeben sich in der Akutphase, der eigentlichen Rehabilitation, dem Trainingseinstieg und in der Wettkampfvorbereitungsphase.</p>
<p>Ein wichtiges Anliegen ist es, Sportlerinnen und Sportlern eine aktive Rolle zuzuweisen, in der das Gefühl entstehen kann, den Heilungsverlauf durch eigenes Zutun positiv beeinflussen zu können. Dies ist deshalb so wichtig, da man sich zunächst passiv den medizinischen Interventionen hingeben muss (Untersuchungen, Operation etc.), was häufig als Kontrollverlust empfunden wird.</p>
<p>Mit der Erfahrung, Verbesserungen ein Stück weit selbst in der Hand zu haben, steigt häufig auch der Glaube an eine baldige Genesung. Neben der psychologisch-emotionalen Begleitung verletzter Athletinnen und Athleten können bestimmte mentale Trainingsansätze eine unterstützende Rolle spielen:</p>
<ul>
<li>Zielsetzung, Aufgabenverteilung und Selbstwirksamkeitstraining: Förderung der Bereitschaft der Athletinnen und Athleten zur aktiven Mitwirkung (Compliance) in der Rehabilitation. Stärkung der Selbstwirksamkeit: „Wieviel kann ich mir zutrauen, was kann ich schon leisten?“.</li>
<li>Entspannungs- und Akzeptanztraining zur Stärkung der Gelassenheit und Geduld, z.B. über das Training bewusster Atmung (slow-paced breathing).</li>
<li>Aufbau förderlicher Selbstgespräche (positive self-talk), indem sorgenvolles Grübeln gestoppt und durch das Einüben positiver Gedanken eine zuversichtliche Haltung gestärkt werden kann („Heute noch diese Übung, dann bin ich wieder einen kleinen Schritt weiter. Es geht aufwärts, ich werde den Anschluss schaffen“).</li>
<li>Vorstellungstraining, Imagination des Heilungsverlaufs (healing imagery). Bei diesem Verfahren stellt man sich den Heilungsverlauf gedanklich vor, z.B. wie ein Muskel im Verlauf der Reha allmählich stärker wird oder ein gerissenes Band wieder zusammenwächst. Auch in der Krebstherapie ist diese Intervention erprobt worden (etwa durch die Vorstellung über das Absterben von Krebszellen; Klein 2001). Allerdings müssen die Vorstellungen in gewissem Maße der Realität entsprechen, sie sollten zudem möglichst detailliert sein. Beim Eintritt in die Trainingsphase können auch Bewegungsvorstellungen gezielt trainiert werden (z.B. eine tiefe Kniebeuge zu machen oder einen Sprungwurf im Handball anzusetzen).</li>
</ul>
<p>Sportpsychologische Verfahren haben sich in empirischen Studien als wirksam erwiesen. So ist bestätigt, dass – im Vergleich zu Kontrollgruppen, die lediglich die übliche medizinische/physiotherapeutische Behandlung erhalten – durch die zusätzliche Behandlung mit psycholo-gischen Verfahren signifikante Verbesserungen im Rehabilitationsprozess zu verzeichnen sind (Alfermann/Stoll 2010).</p>
<p>Bestenfalls gibt es eine enge Zusammenarbeit bei der Umsetzung medizinischer, physiotherapeutischer, psychologischer und athletischer Maßnahmen. Dieser ganzheitliche Ansatz orientiert sich an einem Menschenbild, das uns als bio-psychosoziale Wesen begreift. Wir sind mehr als nur der stoffliche Körper, Verletzungen sind auch mental und sozial relevant. Die Konsequenz aus dieser Sichtweise lässt sich treffend mit der Forderung der Autoren Weiss &amp; Troxel (1986) unterstreichen: „Treat the person, not just the injury”.</p>
<p>Literaturtipps: </p>
<ul>
<li>Hermann, H.-D./Eberspächer, H. (1994). Psychologisches Aufbautraining nach Sportverletzungen. München, BLV Verlag.</li>
<li>Heiss, Chr./Staufenbiel, K. (2019). Sportpsychologisches Verletzungsmanagement. In: Staufenbiel, K./Liesenfeld, M./Lobinger, B. (Hrsg.). Angewandte Sportpsychologie für den Leistungssport. Göttingen, Hogrefe Verlag, S. 292-306.</li>
<li>Seemüller, J. (2021). Am Limit – Wie Sportstars Krisen meistern. Mit einem Interview mit Valentin Z. Markser. Berlin, Heidelberg, Springer-Verlag.</li>
</ul></div>
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			</div></p>
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		<title>Das große Bedürfnis nach dem &#8222;Draußensein&#8220;</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/das-grosse-beduerfnis-nach-dem-draussensein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Feb 2021 11:44:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 19]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Insbesondere die zweite Welle der Corona-Pandemie hat den Sport mit voller Wucht erwischt. Vereine des gemeinnützigen Sportsektors geraten in finanzielle Schieflage und appellieren an die Solidarität ihrer Mitglieder zur Fortführung ihrer Mitgliedschaft. Nach einer Befragung von 20.000 Vereinen kommt die Deutsche Sporthochschule Köln (Vorabauswertung Sportentwicklungsbericht) zu dem Schluss, jeder zweite Verein erwarte in den nächsten zwölf Monaten eine existenzbedrohende Lage. Finanzielle Probleme dürften sich verschärfen, wenn hohe Personal- und Mietkosten zu bewältigen sind. Sport im Verein ist dann am schönsten, wenn man ihn gemeinsam erleben darf, doch den Vereinen bleibt zur Überbrückung des Corona-Lockdowns „nur“ das (manchmal sehr kreativ umgesetzte) Angebot von Online-Kursen.</strong></em></p>
<p>Foto: Amelie Kühne/ Guido Colombetti Deutscher Alpenverein</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Auch kommerzielle Unternehmen der Sportwirtschaft, beispielsweise Fitnessstudios und Unternehmen des Sporttourismus, bangen um ihre Existenz und hoffen auf die finanzielle Unterstützung durch die Politik. Der stationäre Sportfachhandel steckt tief im Krisenmodus: erhebliche Umsatzrückgänge im Offline-Geschäft (z.B. im alpinen Wintersport) und eine zunehmende Orientierung der Kunden in Richtung E-Commerce sorgen vielerorts für schlechte Stimmung. Im Gegensatz dazu erhöhten sich die Preise für Fitnessgeräte für das Training zu Hause (Ergometer, Laufbänder, Crosstrainer, Kraftbänke) im Dezember 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um stolze 13,1 Prozent (Statistisches Bundesamt). Die Umsatzentwicklung des gesamten Sportartikelmarktes im Jahr 2020 lag bei einem Minus von 18,2 Prozent (Hachmeister und Partner h+p; Sport-Report 2020). Sieht man von den sehr positiven Entwicklungen im E-Sport und einigen Individualsportarten (wie Running) ab, so dürfte es in der Sportlandschaft deutlich mehr Verlierer als Gewinner geben. Auf der Hinterbühne dieser wirtschaftlichen Entwicklungen vollziehen sich in der Sportkultur tiefgreifende Veränderungen, die bereits weit vor der Corona-Pandemie zu spüren waren: Sport und Bewegung haben sich in der modernen Gesellschaft erheblich ausgebreitet und vervielfältigt. Die Bedürfnisse der Sportkonsumenten orientieren sich häufiger an Gesundheitsmotiven und seltener am puren Leistungsstreben. Darüber hinaus haben sich die Sportkontexte merklich ausdifferenziert, der Sport ist weniger normiert, freier, bunter. Dieser Wandel schlägt sich ebenfalls in den Angebotsstrukturen nieder: Sport im Park, Parcours über den Dächern der Stadt, Klettern am Turm, Fitnesstraining im Freien, Fußball in der Soccer-Halle, Biathlon in der Fußballarena, Mountainbiken durch die Sahara.</p>
<p>Wenn wir diese Dynamik zugrunde legen, so stellt sich die Frage, ob sich im Zuge der Corona-Pandemie die Nachfrage nach bestimmten Sportformen verändert hat. Über der erschöpften Gesellschaft liege der „Corona-Mehltau“, so der Soziologe Hartmut Rosa. Welchen Beitrag können Sport und Bewegung leisten, um diesen Mehltau abzuschütteln, nach welcher Art des Sportreibens sehnen wir uns, in welcher Art und Weise möchten wir uns bewegen?</p>
<p>Wenngleich es kaum gesicherte Erkenntnisse zu diesen Fragen gibt, so lässt sich doch ein Drang zum „Draußensein“ beobachten: Alle raus in die Natur, überfüllte Wanderparkplätze, der Ansturm auf Ski- und Rodelpisten in den Mittelgebirgen, ausverkaufte Fahrradgeschäfte sowie die ungebrochen hohen Umsätze im Running-Segment sind Anzeichen für die Sehnsucht, der auferlegten sozialen Isolation zu entfliehen. Die Bedeutung der Bewegung in der Natur dürfte weiter zunehmen, insbesondere dann, wenn sich durch körperliche Aktivität eine „Resonanz“ (eine Reaktion hervorrufend) herstellen lässt: Im Gleichgewicht sein, die achtsame Fortbewegung in der Natur, kombiniert mit physischer Herausforderung – Elemente, die in resonanzerzeugenden sportlichen Bewegungsformen wie Stand Up Paddling (SUP), Mountainbiking, Bouldern, Surfen, Skitourengehen oder Schneeschuhwandern zum Tragen kommen. Diese Zutaten des Sporttreibens dürften dem Bedürfnis vieler Menschen nach Verbundenheit, nach einem Dialog mit sich und der Welt auch weiterhin – vielleicht sogar in verstärktem Maße – entsprechen.</p>
<p>Auch Vertreter der Sportartikelindustrie sehen im Bereich Outdoor Wachstumschancen und halten fest, dass im Gefühl der Ohnmacht Sport und Outdoor eine neue Wertigkeit besäßen, sie haben sich als „Stütze und Motivator“ bewährt. In einer verunsicherten Gesellschaft, so die Autoren weiter, „bietet das Outdoorerlebnis für Menschen einen temporären Exit in eine ursprüngliche Welt, in der sie sich lustvoll beweisen können, den Wert echter Freundschaft erfahren und die Erhabenheit der Natur ohne digitalen Filter erleben“ (ISPO Whitepaper mit Daten des rheingold instituts).</p>
<p>Die Sehnsucht vieler Menschen dürfte jedoch nicht nur auf den Sport in der Natur, sondern auch auf ein gemeinsames Aktivsein, auf Kommunikation und Anschluss mit und zu anderen Menschen gerichtet sein, sei es in Vereinen, Volkshochschulen, öffentlichen Parks oder in Fitnessstudios.</p>
<p>Buchtipp: Rosa, Hartmut (2020): Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung (3. Aufl.). Berlin: Suhrkamp Verlag.</p></div>
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		<title>Perfektionismus im Sport &#8211; Fluch oder Segen?</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/perfektionismus-im-sport-fluch-oder-segen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2020 15:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe 15]]></category>
		<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[DHBWHeilbronn]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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					<h1 class="entry-title">Perfektionismus im Sport &#8211; Fluch oder Segen?</h1>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Bestimmte Lebensbereiche sind wie geschaffen dafür, sich höchste Maßstäbe zu setzen, ehrgeizige Ambitionen zu formulieren und letztlich nach Perfektion und Fehlerlosigkeit zu streben. Es ist naheliegend, dass das „Höher – Schneller – Weiter“ des modernen Leistungs- und Spitzensports ein Feld ist, in dem ein Perfektionsstreben geradezu als Erfolgsvoraussetzung diskutiert wird. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Perfektionismus vollzieht sich innerhalb der Sportpsychologie seit etwa 20 Jahren. Auf der einen Seite werden die Vorzüge dieser Persönlichkeitsdisposition hinsichtlich des Erreichens von Höchstleistungen hervorgehoben, auf der anderen Seite werden die negativen Facetten des Optimierungsstrebens diskutiert. </strong></em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Duale Hochschule BW Heilbronn / Studiengangleiter im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement/Sportmanagement (seit 2011). Sportpsychologische Beratung und Betreuung von Leistungs- und Spitzensportlern (darunter auch Olympiateilnehmer). Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp). Mitglied im Lehr-Team des Deutschen Tennisbundes e.V. Sportlicher Leiter beim Tennis-Weltranglistenturnier INTERSPORT Heilbronn-<br />Open von 2005 bis 2014.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Bestimmte Lebensbereiche sind wie geschaffen dafür, sich höchste Maßstäbe zu setzen, ehrgeizige Ambitionen zu formulieren und letztlich nach Perfektion und Fehlerlosigkeit zu streben. Es ist naheliegend, dass das „Höher – Schneller – Weiter“ des modernen Leistungs- und Spitzensports ein Feld ist, in dem ein Perfektionsstreben geradezu als Erfolgsvoraussetzung diskutiert wird. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Perfektionismus vollzieht sich innerhalb der Sportpsychologie seit etwa 20 Jahren. Auf der einen Seite werden die Vorzüge dieser Persönlichkeitsdisposition hinsichtlich des Erreichens von Höchstleistungen hervorgehoben, auf der anderen Seite werden die negativen Facetten des Optimierungsstrebens diskutiert. <br />Der Perfektionismus ist vielschichtig, er zeigt sich in unterschiedlicher Form und Ausprägung. Ganz wertneutral betrachtet – in diesem Sinne nicht pathologisch – bedeutet Perfektionismus die Überzeugung einer Person, dass perfekte Zustände existieren und man versuchen sollte, diese zu erreichen. Das Streben nach Perfektion richtet sich in aller Regel auf die eigene Person (1): „Sowohl im Training als auch im Wettkampf habe ich extrem hohe Erwartungen an mich selbst“. In einer anderen Ausprägung fühlen sich Athletinnen und Athleten zum Perfektionismus gedrängt, da sie meinen, relevante andere Personen haben extrem hohe Ansprüche an sie, die es zu erfüllen gilt (2): „Mein Coach (bzw. meine Eltern oder die Teammitglieder) sind unzufrieden mit mir, wenn ich keine Top-Leistung abliefere“. Darüber hinaus kann sich der Perfektionismus als eine auf andere Menschen gerichtete, vorwurfsvolle Variante offenbaren (3): „Ich kann es nicht ertragen, wenn meine Mannschaftskameradinnen Fehler machen“. <br />Pures Perfektionsstreben ist allerdings noch nicht klinisch bedeutsam. Problematisch wird es jedoch, wenn hohe Ansprüche an sich oder andere als extrem, übertrieben, unvernünftig angesehen werden können und ein starres Festhalten an unrealistischen Maßstäben trotz hoher „Kosten“ zu beobachten ist. Darüber hinaus enthält ein perfektionistischer Persönlichkeitsstil mit dem erfolgsabhängigen Selbstwert ein risikoreiches Element: Wenn eine Athletin oder ein Athlet in die Gesamtbeurteilung der eigenen Person nichts anderes als das Erreichen der gesetzten sportlichen Ziele und die damit verbundene Anerkennung durch andere Menschen (Zuschauer, Journalisten, Eltern, Sponsoren, Trainer etc.) miteinfließen lässt, so verengt sich das Spektrum an möglichen Quellen des Selbstwertes auf ein ausgesprochenes Minimum. Das Ausbleiben des sportlichen Erfolgs führt dann häufig zu einer abwertenden Selbstbeurteilung, in der man sich als generellen „Versager“ und als wertlosen Menschen eben auch in anderen Rollen und Lebensbereichen sieht: als Freund, Bruder, Vater, Kollege etc.: „Ich muss im Sport perfekte Leistungen zeigen – erst dann bin ich o.k., erst dann bin ich ein guter Mensch“. <br />Bei erfolgsabhängigem Selbstwert geht es in der Zusammenarbeit mit Athletinnen und Athleten darum, den eigenen Selbstwert „geschickter bewirtschaften“ zu lernen (Spitzer 2016, S. 142). Beispielsweise lässt sich in einer sogenannten Tortengrafik schön veranschaulichen, welche anderen Lebensbereiche und Selbst-Facetten die eigene Person ausmachen und welchen Anteil sie für die Selbstbeurteilung haben (könnten). Der Weg geht hin zu der Erkenntnis: „Ich bin mehr als nur mein Sport“. <br />Gerade in technisch-kompositorischen Sportarten (z.B. Geräteturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf, Wasserspringen), in denen eine perfekte Bewegungsausführung einen zentralen Faktor darstellt, können perfektionistische Tendenzen seitens der Sportlerinnen und Sportler durchaus hilfreich sein und die sportliche Leistung fördern. Das gleiche gilt für Sportarten, in denen Material und Technik eine gewichtige Rolle spielen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Rennrodler Georg Hackl, genannt „Hackl Schorsch“, eine Legende des Wintersports: Fünf olympische Medaillen, zahlreiche Weltcupsiege und Deutsche Meisterschaften zählen zu seinen Erfolgen. Er war bekannt für seine akribische Arbeit am Material im Kampf um die siegbringende Tausendstelsekunde. <br />Fluch und Segen, beides kann dem Perfektionsstreben im Sport zugeschrieben werden. Die negativen, mitunter klinisch relevanten Seiten äußern sich in Form von chronischer Unzufriedenheit, Grübeleien, hartnäckigem Aufschieben von Entscheidungen, Versagensangst, Wutausbrüchen, Frustration, nachlassender Motivation bis hin zu Burnout, Depression, Zwangs- und Essstörungen sowie Suchtverhalten. <br />Die positiven Seiten des (neutralen) Optimierungsstrebens können darin gesehen werden, die Vollendung der eigenen Talente und Fähigkeiten zu befördern und somit das Erreichen sportlicher Höchstleistungen wahrscheinlicher zu machen. Letztlich ist es eine Gratwanderung – Oliver Stoll (2010, S. 85) bringt es mit folgender Aussage auf den Punkt: „Dies lässt nun abschließend den Schluss zu, dass Perfektionismus per se auch im Sport nicht leistungsmindernd sein muss. Gleichwohl scheinen Athletinnen und Athleten, die einerseits hohe perfektionistische Bestrebungen haben, jedoch gleichzeitig stark negative Emotionen entwickeln, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden, im Nachteil zu sein, es sei denn, sie lernen adäquat mit ihren Emotionen umzugehen, d.h. den Stress adäquat und funktional zu bewältigen“. <br />Literatur:<br />Spitzer, N. (2016). Perfektionismus und seine vielfältigen psychischen Folgen. Ein Leitfaden für Psychotherapie und Beratung. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag. <br />Stoll, O. (2010). Trainingsverfahren zur Leistungsoptimierung auf der Basis von Emotion und Motivation. In: Stoll, O./Pfeffer, I./Alfermann, D. (2010). Lehrbuch Sportpsychologie. Bern: Verlag Hans Huber, S. 63-95.<br />Stoeber, J., Stoll, O., Salmi, O., Tiikaja, J. (2009). Perfectionism and Achievement Goals in Young Finnish Ice-Hockey Players. Aspiring to Make the U16 National Team. In: Journal of Sports Sciences, 27, S. 85-94.</p></div>
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		<title>&#8222;My home is my castle&#8220; &#8211; Zum Heimvorteil im Fußball</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/my-home-is-my-castle-zum-heimvorteil-im-fussball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Apr 2019 14:31:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 12]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>In der vorigen Ausgabe dieses Magazins haben wir den Einfluss von „passiven“ Zuschauern unter die Lupe genommen (zum Beispiel sich ruhig verhaltende Eltern am Spielfeldrand). Dabei haben wir festgestellt, dass sich das bloße Beobachten der Spielerinnen und Spieler auf dem Feld entweder leistungsfördernd oder leistungsmindernd auf die sportlichen Leistungen auswirken kann. Jetzt wollen wir folgenden Fragen nachgehen: <br />&#8211; Welchen Einfluss hat das „aktive“ Unterstützen von Zuschauern und Fans auf die Leistung der Heimmannschaft?<br />&#8211; Welche Gründe gibt es für den Heimvorteil?</p>
<p>Zunächst bleibt festzuhalten, dass es den Heimvorteil – statistisch gesehen – tatsächlich gibt. Er wurde in mehreren Sportarten und bis in die unteren Spielklassen nachgewiesen, unter anderem von der FIFA für die Sportart Fußball: Laut FIFA-Studie mit mehr als 6.500 internationalen Fußballspielen konnten in der Hälfte der Fälle die Gastgeber den Platz als Sieger verlassen, wohingegen Auswärtssiege und Unentschieden jeweils nur rund ein Viertel ausmachten.</p>
<p>Wie stark der Heimeffekt ist, hängt auch von der Spielstärke der Teams ab: So relativiert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg, wenn man als Heimmannschaft gegen einen Abstiegskandidaten beziehungsweise gegen den Tabellenführer anzutreten hat. Darüber hinaus ist es für den Fußball erwiesen, dass der Heimvorteil im Verlaufe der letzten Jahrzehnte weltweit zurückgeht.</p>
<p>Eine Datenanalyse von SPIEGEL-Online (2015) ergab folgende Werte: Mitte der 1970er-Jahre holten Mannschaften in der Fußball-Bundesliga im Schnitt fast 75 Prozent ihrer Punkte im eigenen Stadion. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die erfolgreichen Zeiten des 1. FC Kaiserslautern und den „Mythos Betzenberg“, der extremen Heimstärke mit über 80 Prozent Heimpunkte in der Saison 1976/77. In der Saison 2014/2015 lag der Wert für die Mannschaften der Bundesliga nur noch bei 60 Prozent. Hauptgrund für den nachlassenden Effekt ist wohl der höhere Professionalisierungsgrad der Teams; die Anreise zu einem Auswärtsspiel wird angenehmer, es liegen medial mehr Informationen vor, Unwägbarkeiten und unkontrollierbare Ereignisse nehmen im Vergleich zu früheren Zeiten insgesamt ab.</p>
<p>Wer oder was bewirkt den Heimvorteil? Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Diskutiert werden folgende Faktoren:<br />&#8211; Anreise des Auswärtsteams (Entfernung, Fahrtdauer) führt zu Nachteilen; gewohntes Terrain für die gastgebende Mannschaft eher vorteilhaft.<br />&#8211; Bauliche Eigenschaften des Stadions; Vorteile, wenn kurze Distanz der Fans zum Spielfeld; Vorteile in Stadien ohne Leichtathletikbahn.<br />&#8211; Beeinflussung des Schiedsrichters durch heimische Fangesänge und Rufe; unterbewusste Beeinflussung durch Geräuschkulisse, dadurch erhöhter Druck auf den Unparteiischen, bei strittigen Situationen tendenziell eher für die Heimmannschaft zu pfeifen (vgl. dazu die Studien von Daniel Memmert von der DSHS Köln).<br />&#8211; Mittels Speichelproben wurden erhöhte Testosteronwerte bei Spielern der Heimmannschaft nachgewiesen, ausgelöst durch lautstarke Anfeuerungsrufe des Publikums; dadurch ein verstärktes Dominanzverhalten (zum Beispiel eine hohe Quote gewonnener Zweikämpfe) der heimischen Spieler, evolutionsbiologisch begründet mit der Verteidigung des eigenen „Territoriums“.</p>
<p>Der wesentliche Grund für den Heimvorteil dürfte jedoch rein psychologischer Natur sein. Die Autoren Wolfgang Schlicht und Bernd Strauß (2003) bemerken, dass es den Heimvorteil einfach deshalb geben könnte, weil die Spielerinnen und Spieler an ihn glauben. Somit hätten wir es mit dem Phänomen einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ zu tun.</p>
<p>Allerdings haben einige Teams auch in der Rolle des Gastgebers zuhause bittere Erfahrungen gemacht: Der FC Bayern München unterliegt in der Champions League 2012 dem FC Chelsea im „Finale dahoam“; die brasilianische Nationalmannschaft verliert gegen den späteren Fußball-Weltmeister Deutschland mit 1:7 – seit diesem 8. Juli 2014 ist der „Schock von Mineirão“ im brasilianischen Nationalgedächtnis verewigt.</p>
<p>Letztlich ist es entscheidend, ob die Athleten im eigenen Stadion die Unterstützung der Zuschauer und Fans subjektiv als positiv empfinden und sich nicht durch überhöhte Erwartungen „aus dem Takt“ bringen lassen. Dann nämlich kann ein vermeintlicher Heimvorteil schnell in einen Heimnachteil umschlagen.</p></div>
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		<title>Welchen Einfluss haben Zuschauer auf die sportliche Leistung?</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/welchen-einfluss-haben-zuschauer-auf-die-sportliche-leistung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Jan 2019 17:14:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 11]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[DHBWHeilbronn]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Im Zuge der Handball-Weltmeisterschaft 2019 wurde viel über den Einfluss der Zuschauer auf die Leistung der deutschen Mannschaft diskutiert. Spieler, Trainer, Medienvertreter und die Zuschauer selbst waren sich einig: Die großartige Atmosphäre in den vollbesetzten Stadien hatte einen positiven Einfluss auf die Leistung des Teams, der Funke sprang offensichtlich über, das Team entfachte durch seine kämpferische Leidenschaft auch bei den Fernsehzuschauern eine Begeisterung, von der der deutsche Handballsport hoffentlich nachhaltig profitieren wird.</p>
<p>Auf den ersten Blick scheint der positive Zusammenhang von Zuschauern auf die sportlichen Leistungen der Akteure klar zu sein – doch wir müssen genauer hinschauen!</p>
<p>Es gibt auch Beispiele, bei denen die Anwesenheit anderer Personen die Leistungen beeinträchtigt. Die Sportpsychologie geht grundlegend drei unterschiedlichen Vermutungen nach (vgl. Alfermann/Stoll 2005, S.245):<br />1. Die (bloße) Anwesenheit anderer Personen verbessert die Leistungen der Sportler. Man bezeichnet dies als „soziale Förderung“. <br />2. Die (bloße) Anwesenheit anderer Personen verschlechtert die Leistungen der Sportler. Man bezeichnet dies als „soziale Beeinträchtigung“.<br />3. Die (bloße) Anwesenheit anderer Personen hat gar keinen Effekt auf die Leistungen der Sportler, es gibt also weder eine Leistungsverbesserung noch eine -verschlechterung.</p>
<p>Zunächst unterscheidet man bei Untersuchungen zu dieser Thematik, ob es sich um aktive (bspw. die anfeuernden und singenden Fans in einem Stadion) oder um passive Zuschauer (bspw. sich neutral verhaltende Eltern am Spielfeldrand, die ihrem Kind beim Sport zusehen) handelt. In diesem Beitrag soll es um den Einfluss durch die bloße, passive Anwesenheit anderer gehen.</p>
<p>Darüber hinaus muss man die Art der vom Sportler auszuführenden Aufgabe berücksichtigen. Ist es eine eher einfache, vor allem konditionell anspruchsvolle Aufgabe (z.B. ein Marathonlauf, Zeitfahren im Radsport) oder eine komplizierte, koordinativ anspruchsvolle Aufgabe (z.B. eine Sprungkombination im Eiskunstlauf oder eine Übung auf dem Schwebebalken).</p>
<p>Welche Erklärungsansätze gibt es zum Einfluss von Zuschauern auf die Leistung? Ein zentraler Ansatz geht davon aus, dass es durch die bloße Anwesenheit anderer (z.B. die passiv zuschauenden Eltern) zu einem höheren körperlichen Aktivierungsniveau bei den Sportlern kommt. Diese physiologische Aktivierung (autonomes Nervensystem) führt zu einer Leistungsverbesserung vor allem bei einfachen, gut gelernten, automatisierten Bewegungen, hingegen eher zu einer Leistungsverschlechterung bei komplexen, schlecht gelernten, noch nicht automatisierten Bewegungen.</p>
<p>Im Sportspiel wie Handball, Fußball oder Hockey, wo es sowohl auf konditionelle als auch auf koordinative Fähigkeiten ankommt, zeigen sich insgesamt kaum Effekte (vgl. Strauß 1999). Untersucht man im Sportspiel die Komponenten getrennt voneinander, so lässt sich feststellen, dass sich die messbaren quantitativen Leistungsaspekte durch die Anwesenheit von passiven Zuschauern verbessern (z.B. die zurückgelegte Laufdistanz eines Fußballers), wohingegen sich die qualitativen Komponenten eher verschlechtern (z.B. Ungenauigkeit der Pässe).</p>
<p>Darüber hinaus spielt es eine Rolle, welche Bedeutung und Erwartungen die Akteure den Zuschauern zuschreiben. So macht es für das Nachwuchstalent bei einem Sichtungsturnier sicherlich einen Unterschied, ob „wichtige“ Scouts diverser Proficlubs oder die eigenen Freunde zuschauen.</p>
<p>Ein weiterer Ansatz geht der Überlegung nach, inwieweit die Sportler von den Zuschauern abgelenkt sein könnten und sich nicht mehr vollständig auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren können. Schließlich lässt sich auch beobachten, dass es zu Leistungsverschlechterungen unter Druck (auch aufgrund der Anwesenheit anderer Personen) kommen kann, da die Sportler mit einer erhöhten Selbstaufmerksamkeit reagieren; die Aufmerksamkeit ist dann übermäßig auf die eigene technische Bewegungsausführung gerichtet, man grübelt über den korrekten Bewegungsablauf.</p>
<p>Unter diesen Umständen kommt es gerade bei gut gelernten hochautomatisierten Bewegungen zu Verschlechterungen. Besonders anfällig für dieses Phänomen sind beispielsweise Freiwürfe im Basketball, Aufschläge im Tennis oder das Putten beim Golf.</p>
<p>Letztlich kommt es aber immer auch auf die mentalen Fähigkeiten und Erfahrungen der Sportler selbst an, ob und wie sich die bloße Anwesenheit von Zuschauern bemerkbar macht. In der nächsten Ausgabe wird es um den Einfluss von aktiven Zuschauern (z.B. Fans) gehen. Besonders interessant ist dabei die Frage nach den Gründen für den Heimvorteil. </p></div>
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		<title>Eltern im Leistungssport –  Wichtige Karrierebegleiter</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/eltern-im-leistungssport-wichtige-karrierebegleiter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jul 2018 14:07:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 09]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Eine erfolgreiche Sportkarriere ist wie ein Puzzle mit 1.000 Teilen. Das bloße Vorhandensein aller Puzzle-Teile – im Sinne von Leistungsfaktoren – genügt noch nicht, sie müssen ineinander passen und es muss jemanden geben, der die Einzelteile zu einem Gesamtbild zusammenfügt (die Talente selbst, Trainerinnen und Trainer, Eltern, Mentoren etc.). Eltern haben einen großen Einfluss auf die sportliche Sozialisierung und den weiteren Karriereweg ihrer Kinder. Sie fördern emotional und finanziell, sie gehen große zeitliche Verpflichtungen ein und sind zugleich Vorbilder für Einstellungen und Verhaltensweisen. In der täglichen Praxis jedoch beobachten gerade die Trainer immer wieder, dass Eltern Verhaltensweisen zeigen, die der positiven Karriereentwicklung ihrer Kinder auf lange Sicht hin abträglich sein dürfte.</p>
<p>In der Literatur sind die Einflussmöglichkeiten der Eltern auf eine Sportkarriere gut belegt. Fredericks und Eccles (2004) gehen von drei verschiedenen Rollen aus, die Eltern im Zusammenspiel mit ihren Kindern einnehmen. Diese Rollen greifen in der Praxis ineinander. <br />1. Als Vorbilder und Rollenmodelle führen sie die Kinder zum Sport. Häufig waren die Eltern selbst leistungs- oder spitzensportlich aktiv und vermitteln so im Alltag ein Arbeitsethos, das für eine erfolgreiche Karriere notwendig ist (dabei bleiben, auch wenn es mal schwierig wird; der richtige Umgang mit Niederlagen; die täglichen Anforderungen unter einen Hut kriegen; die gewissenhafte Vorbereitung auf einen Wettkampf). <br />2. Die Eltern haben die Rolle der Unterstützer, und zwar in materieller, finanzieller, informationeller, zeitlicher und emotionaler Hinsicht. Diese Leistungen wurden bereits im oberen Abschnitt beleuchtet. <br />3. Darüber hinaus beeinflussen die Eltern durch ihre Erwartungen und Kompetenzzuschreibungen an das Kind das sportliche Vorankommen. In diesem Sinne erfüllen sie die Rolle der Interpreten (Bewertungsunterstützung). Was ist damit gemeint? Wie kommt es dazu, dass die elterlichen Erwartungen an und Bewertungen der Fähigkeiten ihrer Kinder einen bedeutenden Impuls für eine positive sportliche (und überhaupt Persönlichkeits-) Entwicklung geben können?</p>
<p>Eltern haben unweigerlich Hoffnungen und Vorstellungen hinsichtlich der sportlichen Begabungen ihres Kindes. In Folge der elterlichen Projektionen kommt es zu einer intensivierten Zuwendung und Bewunderung sowie zu (positiven) Erwartungen an zukünftige Leistungen und Entwicklungsfortschritte. Das Kind nimmt im Zuge der Interaktion mit den Eltern diese Zuschreibungen und verstärkten Bemühungen der Eltern wahr und integriert sie in sein Selbstkonzept („Mama und Papa halten mich für eine begabte Schwimmerin. Sie haben wohl recht, ich bin gut im Schwimmen, ich bin talentiert“). Ermutigt und bestärkt in ihrem Selbstbild als Talent zeigen sich die ersten Erfolge, das Kind bestätigt ganz konkret die Erwartungen der Eltern, Hoffnungen werden zu realen Ereignissen, eine erhöhte elterliche Zuwendung und Stolz auf die gezeigten Leistungen sind die Folge. Gleichzeitig entwickeln sich beim Kind Erwartungsmuster bezüglich der intensivierten Zuwendung seitens der Eltern. <br />Stabilisiert sich dieses dynamische System, so Richartz (1998, S. 426), dann ist es „von Beginn an sowohl für die Entwicklung des Kindes wie der Beziehung zwischen Eltern und Kind von großer Bedeutung“. Es kommt zu einer Passung (siehe unsere Puzzle-Analogie) zwischen den Erwartungs- und Verhaltensmustern von Eltern und Kindern und wirkt förderlich auf die sportliche Entwicklung. <br />Nicht immer verlaufen die Entwicklungen wie in der oben dargestellten (idealisierten) Art und Weise. Was passiert, wenn der Kreislauf von Hoffnungen, Zuwendungen und Erwartungen gestört wird? Die Investitionen der Eltern an Zeit, Geld, Geduld und Mühen lösen das Gefühl aus, Gegenleistungen erwarten zu dürfen; sie sollen dafür sorgen, dass sich die Investitionen „lohnen“.</p>
<p>In aller Regel ist dies den Eltern nicht bewusst, es passiert nicht mit Vorsatz, sondern offenbart sich in einem besonderen familiären Klima (beispielsweise bei der schweigsamen Heimfahrt von einem Turnier nach einer schmerzlichen Niederlage des Kindes). Die Kinder nehmen wahr, dass sie die Erwartungen der häufig überengagierten Eltern zu erfüllen haben (sich entsprechend loyal verhalten sollen), nämlich gute Resultate zu liefern, um die enormen Investitionen zu vergelten. Es entsteht ein „wechselseitiges Loyalitätsverhältnis“. Die Kinder dürfen Unterstützung erwarten, sofern sie den (unausgesprochenen) Auftrag erfüllen, erfolgreich zu sein.</p>
<p>Der ehemalige Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat in einem Interview nach seinem Karriereende dieses Phänomen deutlich zum Ausdruck gebracht: „Im Leistungssport ist das mit der Familie so eine Sache. Man wird innig unterstützt – aber selten ohne Erwartungen“ (Gilbert 2016, S. 36, in einem Interview mit Nico Rosberg). Spätestens hier wird klar, dass es ab diesem Punkt kritisch werden kann. Es besteht die Gefahr äußerer Konflikte zwischen Eltern und ihren leistungssportlichen Kindern (oder Jugendlichen) sowie innerer Konflikte, etwa wenn das Kind den Loyalitätspflichten nicht nachkommen kann, meistens im Zuge von Misserfolgen oder Überforderungen.</p>
<p>Auch wenn in diesem Beitrag der Blick auf die Eltern im Leistungssport auch ein kritischer ist, so muss doch betont werden, dass die meisten ihre Aufgabe wirklich gut machen. Sie sind unaufdringliche Karrierebegleiter, engagierte und ermutigende Unterstützer, fürsorgliche Ansprechpartner, die stets offen sind für die – auch außersportlichen – Belange ihrer Kinder. Ihre Rückmeldungen sind auf die Anstrengungen, Leistungen, Fortschritte sowie auf faires Verhalten ihrer Kinder gerichtet. </p>
<p>Sie haben erkannt, dass die erste Frage „Und, hast du gewonnen?“ meistens die falsche ist. (DS)</p></div>
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		<title>Mehr Sport im neuen Jahr? Der Kampf mit dem inneren Schweinehund!</title>
		<link>https://sportheilbronn-magazin.de/mehr-sport-im-neuen-jahr-der-kampf-mit-dem-inneren-schweinehund/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Prof. Dr. Dirk Schwarzer]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jan 2018 18:39:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 07]]></category>
		<category><![CDATA[Sportpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[DHBWHeilbronn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sportheilbronn-magazin.de/?p=5231</guid>

					<description><![CDATA[<p>https://sportheilbronn-magazin.de</p>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Zu Beginn eines neuen Jahres haben wir oft den Drang, unliebsame Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu ändern. Mithilfe von Neujahrsvorsätzen möchten wir dafür sorgen, dass von nun an alles besser wird: Aufhören mit dem Rauchen, mehr Zeit für die Familie, alte Freunde anrufen, gesunde Ernährung, weniger Smartphone-Konsum, abnehmen, die Fitness verbessern.</p>
<p>Mit bester Absicht gehen wir also ans Werk und versuchen, unsere Vorsätze in die Tat umzusetzen. Doch häufig begegnen wir schon nach wenigen Wochen einem alten Weggefährten – dem inneren Schweinehund. Er redet uns gut zu, das regelmäßige Laufprogramm im Heilbronner Stadtwald doch zu unterlassen, da es in unserer Komfortzone auf der heimischen Couch doch viel gemütlicher ist.</p>
<p><strong>Wie kommt es dazu, dass wir trotz der festen Absicht, im neuen Jahr häufiger Sport zu treiben, diesen Wunsch zwar kurzfristig umsetzen, langfristig aber wieder aufgeben? </strong></p>
<p>Die Sportpsychologie hält für dieses bekannte Phänomen einige Erklärungsansätze bereit. Grundsätzlich müssen wir zwischen der Motivation (eine Absicht haben) und der Volition (der Wille; lat. volo: ich will) unterscheiden. Nicht jede Absicht führt also zu einer gewünschten Verhaltensweise. Der Motivationsforscher Heinz Heckhausen hat diese Erkenntnisse in seinem Rubikonmodell zusammengefasst. Der Name ist angelehnt an die Überschreitung des Rubikon-Flusses im antiken Rom durch die Truppen unter Caesar.</p>
<p><strong>Beispiel:</strong> Ich nehme mir vor, am nächsten Morgen um 6 Uhr fünf Kilometer zu laufen. Am nächsten Morgen – Nieselregen, 3 Grad, steife Brise aus Südost – treten plötzlich Hindernisse auf, die meine ursprüngliche Absicht gefährden. So stelle ich mir vor, wie angenehm es doch wäre, noch eine Weile im Bett liegen zu bleiben oder mit einer Tasse Kaffee die Tageszeitung zu lesen.</p>
<p>Eine hohe Motivation genügt in diesem Fall nicht, die Absicht zum konkreten Handeln zu führen; es bedarf des Willens. Willensprozesse sind dafür verantwortlich, dass Ziele und Absichten in Taten übersetzt werden. Der Einsatz des Willens ist besonders dann erforderlich, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die uns eigentlich keinen Spaß machen. Handlungen, die in erster Linie willentlich gesteuert werden, sind im Vergleich zu häufig unbewusst ablaufenden, motivationalen Tätigkeiten (z.B. mit dem Mountainbike einen Flow-Trail fahren) leider sehr störanfällig. Sie sind häufig begleitet von unangenehmen Gefühlen, einem langsamen Zeiterleben (die Zeit „kriecht“), wir sind dabei eher abgelenkt, müssen die Handlung ständig mit unseren Gedanken kontrollieren und überwachen, um bloß nicht in Versuchung zu kommen, aufzugeben. Letztlich funktioniert unser Wille wie ein Muskel, er ist irgendwann erschöpft. Doch ebenso wie ein Muskel können wir unseren Willen auch trainieren!</p>
<h5>Praxistipps:</h5>
<p><strong>Mit zunehmendem Können entsteht ein Mehr an Genuss!</strong> Bleiben Sie also dran, denn wenn Sie Ihre Fähigkeiten in einer sportlichen Aktivität verbessern, so macht diese nach einigen Wochen auch mehr Spaß. Irgendwann ersetzt der Motivator „Freude an der Bewegung“ die ursprünglich durch den Willen gesteuerte Laufband-Einheit im Fitnessstudio.</p>
<p><strong>Sozialen Druck aufbauen!</strong> Dies gelingt, indem Sie sich mit Freunden zum Sport verabreden. Dann wird das Sporttreiben verbindlich, eine Absage ist eher unangenehm und stellt erfahrungsgemäß eine hohe Hürde dar. Auch sollten Sie Ihre sportlichen Ambitionen öffentlich kundtun, zum Beispiel im Kreis Ihrer Arbeitskolleginnen und -kollegen. Dies schafft eine subjektiv empfundene, innere Verpflichtung – ein Rückzieher wird unwahrscheinlicher.</p>
<p><strong>Bleiben Sie flexibel!</strong> Seien Sie nicht zu hart zu sich. Ein zu starres und zwanghaftes Festhalten an Trainingsplänen führt häufig zu Verkrampfung und kann auch gefährlich sein. Insbesondere bei fiebrigen Erkältungen sollten Sie auf Ihren Sport verzichten. Die Formel für einen langfristigen Erfolg: Eine ausgewogene Mischung aus Gelassenheit und Zielstrebigkeit, aus Spaß und Disziplin.</p>
<p><strong>Schaffen Sie ein „Warum“!</strong> Welchen ganz individuellen, wichtigen Grund gibt es für Ihr Leben, wofür es sich lohnt, Ihre (sportlichen) Lebensgewohnheiten zu ändern. Moderat betriebener Sport ist gesund  doch das reicht nicht aus, um den inneren Schweinehund zu besiegen. Wesentlich konkreter ist es, wenn Sie sich vornehmen, die Halbmarathon-Distanz beim Heilbronner Trollinger-Marathon zu laufen, oder in den nächsten sechs Monaten fünf Kilo abzunehmen, um endlich mit den Enkeln wieder Fußballspielen zu können.</p>
<p><strong>Werden Sie konkret!</strong> Formulieren Sie Ihre Ziele möglichst greifbar und anschaulich, stellen Sie sogenannte „Wenn-Dann-Pläne“ auf. Aus einem „In der nächsten Woche treibe ich mehr Sport“ wird ein „Wenn ich nächste Woche am Montag und am Donnerstag mit der Bahn zur Arbeit fahre, dann jogge ich jeweils um 17.00 Uhr, nach der Arbeit, nach Hause. Sporttasche und Laufschuhe habe ich heute schon eingepackt“.</p>
<p><strong>Machen Sie den Sport zur Gewohnheit!</strong> Anfangs ist es wichtig, möglichst häufig und regelmäßig „am Ball“ zu bleiben. Dies können auch sehr kurze Einheiten sein, beispielsweise ein 20minütiger, strammer Spaziergang bei miesem Wetter. Ihr Gehirn gewöhnt sich so an die tägliche Aktivitäts-Dosis, der Wille spielt dabei kaum noch eine Rolle. </p></div>
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