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	<title>Doping | sportheilbronn Magazin</title>
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	<title>Doping | sportheilbronn Magazin</title>
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		<title>Gastkommentar: WADA begnadigt Russische Anti-Doping-Agentur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Scherlinzky]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Oct 2018 15:53:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 10]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Ende September 2018 hat die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA trotz weltweiter Proteste die russische Agentur RUSADA nach dreijähriger Sperre unter Auflagen begnadigt. Damit ist die uneingeschränkte Rückkehr der Sportgroßmacht in den Weltsport geebnet. Allerdings muss Russland der WADA bis zum 30. Juni 2019 den Zugang zum Moskauer Analyselabor und den dortigen Doping-Daten und -Proben ermöglichen. Führung erfordere „Flexibilität“ und eine „nuancierte Interpretation“ der Zulassungskriterien, „um die Sache zu einem Ende zu bringen“, agrumentierte die WADA und erntete dafür weltweit scharfe Kritik und strikte Ablehnung bei Athleten, Verbänden, vielen nationalen Anti-Doping-Agenturen und in der Sportpolitik.</strong></em></p>
<p>Autor: Holger Kühner</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Die Olympischen Spiele waren noch nie unpolitisch. Berlin 1936 im grellen Scheinwerferlicht der nationalsozialistischen Diktatur ist nur das bekannteste und erschreckendste Beispiel. 1968, wenige Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Mexiko schlug die militärische Spezialeinheit „Batallón Olimpia“ Studentenproteste mit brutaler Gewalt nieder. Kurz nach dem „Massaker von Tlateloco“ begrüßte IOC-Präsident Avery Brundage in Mexiko City zur „Olympiade des Friedens“. Derselbe Brundage, der vier Jahre später in München die ewige Schlagzeile „the Games must go on“ prägte. Elf israelische Geiseln und ein deutscher Polizist. Tot. Sei’s drum. The show must go on. Wacker hält sich die These, der amerikanische Fernsehsender ABC habe Brundage gedrängt, die Spiele nicht abzubrechen, weil bereits alle Werbespots im Rahmen der Olympischen Berichterstattung verkauft seien. Das hätte ein finanzielles Desaster gegeben.</p>
<p>Heute drängt sich die Frage auf: Wer ist von wem abhängig im Zusammenspiel der Welt Anti Doping Agentur WADA, dem Internationalen Olympischen Komitee und der Sportnation Russland?</p>
<p>Warum hat sich das IOC nicht getraut, Russland von der Teilnahme an den Sommerspielen in Rio 2016 und den Winterspielen 2018 in PyeongChang auszuschließen? Russland hat die Olympische Welt angegriffen, mit Waffen, die Sportler verletzen. Doping. Hunderte saubere Sportler wurden um den Sieg gebracht. Um den „One moment in time“, den Whitney Houston als Siegeshymne für die Olympischen Spiele 1988 besang.</p>
<p>Der Viertplatzierte zweifelt an sich, nicht das Beste gegeben zu haben. Er fährt als Verlierer nach Hause, ohne Medaille. Ohne den überwältigenden Moment der Siegerehrung, wenn für ihn die Nationalhymne gespielt wird, die Flagge gehisst wird. Er steht daneben und sieht, wie andere diesen „One moment in time“ genießen, wie potentielle Sponsoren schon recherchieren, wie sie diesen Olympiasieger für sich werben lassen können. Nichts da! Wenn vier Jahre später rauskommt, dass der Sieger gedopt war, dann hat er oder sie nicht nur diesen Moment gestohlen, sondern auch Anerkennung und Ansehen. Die Motivation kaputt, die weitere Karriere zerstört.</p>
<p>Russland hat massenhaft betrogen, falsche Sieger produziert. Mit Unterstützung der Politik. Sei’s drum. Ist halt so, dass Sport und Politik in Russland nicht zu trennen sind. Alexander Schukow kann da schon mal Chef des Nationalen Olympischen Komitees sein (2010-2018), dazu Duma-Abgeordneter und stellvertretender Parlamentspräsident. Der ehemalige Sportminister Vitaly Mutko, Drahtzieher im russischen Dopingsystem, war und ist wieder Präsident des russischen Fußballverbandes.</p>
<p>Das IOC kann hart durchgreifen, wenn sich Regierungen in Sportangelegenheiten einmischen. In der jüngeren Vergangenheit waren Kuwait und Indien suspendiert. Länger zurück liegt der Ausschluss Südafrikas. Erst nach Überwindung der Apartheid durften südafrikanische Sportler 1996 wieder mitmachen. Allein deshalb hätte man Russland längst suspendieren können – damit sich was ändert. So mächtig könnte der Sport sein.</p>
<p>Doch das IOC ist milde geworden. Das ist einerseits gut, denn die Sippenhaft sollte für einzelne Sportler nicht gelten, deren Länder Regeln gebrochen habe. Dafür gibt es nun die „Independent Olympic Athletes“, die unter der Olympischen Flagge starten.</p>
<p>Die Milde im Fall Russland ist dagegen schwer nachvollziehbar. Weil es für die Drahtzieher und Betrüger keine wirkliche Strafe gab. Es geht nicht um Einzelfälle, seit 2011 sollen mehr als 1.000 Sportler vom Doping-System gesäubert und damit gefördert worden sein. Falsche Sieger.</p>
<p>Selbst als mit dem McLaren-Bericht im Juli 2016 erdrückende Beweise vorlagen, entschied das IOC zwar die russische Mannschaft auszuschließen, aber einzelne Sportler in Rio starten zu lassen. Einzelne! 271 Sportlerinnen und Sportler starteten für Russland. Der Leichtathletik-Weltverband blieb hart und sperrte alle Athleten.</p>
<p>Und noch eine fehlte. Julia Stepanova. Die Leichtathletin gilt heute als die Whistleblowerin, die den Skandal öffentlich machte. Positiv getestet, hätte sie ein Schweigegeld bezahlen sollen. Stepanova lebt heute inkognito in den USA. In Rio, so befand das IOC, könne sie als Dopingsünderin nicht starten. Ein Skandal. Auch Grigori Rodschenkow, Ex-Chef des Dopingkontroll-Labors in Moskau und Organisator der Manipulationen, lebt in den USA – im Zeugenschutzprogramm.</p>
<p>Bei den Winterspielen in PyeongChang war Russland suspendiert, durfte aber als „Olympic Athletes from Russia“, als OAR-Team mitmachen und schon zur Schlussfeier wieder mit eigenen Trikots und eigener Flagge durch‘s Stadion stolzieren. Rehabilitiert nach nur acht Wochen. Respekt!</p>
<p>Das alles sollte man als Puzzleteilchen auf den Tisch legen, wenn man den „Deal“ studiert, den die WADA mit den Russen schloss. Die dürfen wieder mitmachen, wenn sie nicht den umfangreichen Untersuchungsbericht der WADA akzeptieren, den der kanadische Jurist Richard McLaren veröffentlichte, sondern den kleineren, den das IOC in Auftrag gegeben hatte.</p>
<p>Und sie haben Zeit bis Juni 2019 ihre Dopingarchive zu öffnen. Damit hat man den Russen eine Brücke gebaut. Diplomatisch ist das sinnvoll. Dem Weltsport hat die WADA damit einen Bärendienst erwiesen. Die Betrüger haben gewonnen. Und der Brückenbau könnte noch mehr Gräben aufreißen.</p></div>
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		<title>Doping: &#8222;Die Wahrscheinlichkeit, dass du erwischt wirst, ist gering&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ralf Scherlinzky]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2018 15:30:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[SPORTHEILBRONN]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgabe 08]]></category>
		<category><![CDATA[AnnegretSchneider]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em><strong>Die Sperren der russischen Mannschaft, vier neue Dopingfälle während der Spiele, die Aufhebung der Suspendierung Russlands – vor und direkt nach den Olympischen Spielen in Pyeongchang hatte das Thema Doping hohe Wellen geschlagen. Doch nun, da wir uns auf die Fußball-Weltmeisterschaft zubewegen, beherrschen wieder andere Themen die Öffentlichkeit. Gedopt wird jedoch weiterhin. Wir wollten das Thema Doping nicht auf sich beruhen lassen, sondern stattdessen einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen werfen. Dazu hat sich unser Redakteur Ralf Scherlinzky in der Römerhalle mit dem aus Heilbronn stammenden ARD-Dopingexperten Holger Kühner und der Para-Leichtathletin Annegret Schneider aus Neckargartach getroffen und hat einige hochinteressante Aspekte über den Kampf gegen das Doping erfahren.</strong></em></p>
<p>Fotos: Marcel Tschamke</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>„In Pyeongchang gab es 2.500 Dopingtests, von denen vier positiv waren. Der IOC hätte jetzt hinstehen und sagen können, hurra, wir haben den Kampf gegen das Doping gewonnen und haben die vier Betrüger entlarvt. Das macht aber keiner, weil jeder weiß, dass diese vier nicht die Einzigen waren. Schließlich waren bei den Winterspielen 4.000 Athleten am Start, also wurden 1.500 gar nicht getestet“, erklärt uns <strong>Holger Kühner</strong> zum Einstieg in unser Gespräch. „Da sieht man auch gleich, dass der Kampf gegen Doping halbherzig und nicht zu Ende gedacht ist.“</p>
<p>Das Thema Doping, das lernen wir im Laufe des Gesprächs, ist sehr komplex. Es ist eine ständige Gratwanderung, ein Spagat zwischen noch mehr Kontrolle und einem massiven Eingriff in die Intimsphäre der Athleten.</p>
<p>„Ich wurde bisher einmal getestet, das war 2016 bei uns zuhause“, berichtet <strong>Annegret Schneider</strong>. „Zuerst musste ich einige Formulare ausfüllen, ehe die Kontrolleurin dann mit mir zur Toilette ging. Da ich damals noch minderjährig war, hat uns mein Papa begleitet, um von außen durch die offene Tür ein Auge auf die Kontrolleurin zu werfen. Ich musste im Beisein der Kontrolleurin in die Flaschen pinkeln, das war nicht gerade angenehm.“</p>
<p>Bei all dem nötigen Kampf gegen Doping müsse man sich anhand Annegrets Erzählung mal bewusst machen, was man den Athleten zumutet, betont Holger Kühner: „Dass man auf der Toilette Zuschauer hat, das finde ich nicht gerade witzig. Das könnte man als absolute Grenzverletzung ansehen.“</p>
<p>Für Spitzensportler ist dies jedoch ein notwendiges Übel, das fester Teil der Karriere ist: „Ich weiß ja, warum ich es mache, und ich bin auch gegen Doping. Deshalb muss ich es eben über mich ergehen lassen.“</p>
<p>Vielmehr stört die dreifache Juniorenweltmeisterin, dass sie in der ADAMS (Anti-Doping Administration and Management System)-Software der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für jeden Tag protokollieren muss, wo sie sich tagsüber befindet und wo sie übernachtet. „Bis vor kurzem hatte ein handschriftlicher Wochenplan gereicht, der halbwegs stimmen musste. Jetzt aber muss ich alles fein säuberlich erfassen. Ich hatte Glück, dass mir<strong> Eduard Popp</strong> und meine Freundin <strong>Clara Klug</strong> dabei geholfen haben, was ich wann wo in ADAMS eintragen muss. Was trage ich zum Beispiel als Aufenthaltsort ein, wenn ich in den Urlaub fahre und fünf Stunden auf der Autobahn bin?“</p>
<p>Was sich für Außenstehende erstmal nach einer Gängelung der Athleten anhört, ist aber absolut notwendig und Grundvoraussetzung für die Dopingkontrollen – denn die Kontrolleure entnehmen aus ADAMS den aktuellen Aufenthaltsort des Sportlers.</p>
<p>Doch was passiert, wenn Annegret Schneider beim sportheilbronn-Interview in der Römerhalle sitzt und vergessen hat, dies einzutragen, die Kontrolleure aber just in diesem Moment an der Haustür klingeln? „Das ist nicht dramatisch“, beschwichtigt Holger Kühner. „Bis es zu einem sogenannten ‚Missed Test‘ kommt, ist es ein ganz weiter Weg. Wenn sie dich nicht antreffen, rufen sie dich an und du sagst, dass du in zehn Minuten da bist. Sie tragen das dann zwar ein, aber für einen ‚Missed Test‘ reicht das noch nicht. Bei solchen Abwesenheiten ist die NADA (Nationale Anti-Doping Agentur) noch großzügig. Sobald du aber drei echte ‚Missed Tests‘ in 18 Monaten hast, wirst du ein Jahr gesperrt.“</p>
<p>Im Jahr 2016, so der Dopingexperte weiter, habe die NADA in Deutschland 12.646 Kontrollen durchgeführt. Davon waren 98 auffällig und bei 20 wurden Sanktionen gegen die Athleten ausgesprochen. „Hat man dann 12.548 saubere Athleten getestet oder hat man nur nicht alle Betrüger erwischt? Ein gewisser Grundzweifel bleibt – und darüber wird meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen. Anders als im Zivil- und Strafrecht haben wir im Sport eine Beweislastumkehr. Würde man bei Annegret ein nicht erlaubtes Medikament im Urin finden, müsste sie nachweisen, dass es nicht von ihr ist.“</p>
<p>Auch die oft zitierte B-Probe hält Holger Kühner für ungenügend: „Die B-Probe wird mit exakt demselben Verfahren analysiert wie die A-Probe. Da ist es doch naheliegend, dass dabei das gleiche Ergebnis herauskommt. Deinen Führerschein dagegen können sie dir nicht nehmen, indem sie dich ein zweites Mal pusten lassen. Da bekommst du im Krankenhaus Blut abgenommen, und erst, wenn sie dabei auch einen hohen Alkoholwert nachweisen, ist der Führerschein weg. Das ist mir beim Doping noch etwas zu unausgegoren.“</p>
<h5>Wie wirkt sich Doping eigentlich auf die Leistungsfähigkeit eines Sportlers aus?</h5>
<p>Dazu hat Annegret Schneider ein plausibles Beispiel parat: „Ich bin Asthmatikerin und habe eine Genehmigung, dass ich mein Asthmaspray nehmen darf. Nach dem Sport sinkt meine Kurve, die die Leistungsfähigkeit meiner Atemwege misst, stark ab. Nehme ich dann das Spray, geht die Kurve sehr schnell wieder auf Normalniveau. Wenn man sich jetzt einen Gesunden vorstellt, der eh auf Normalniveau oder darüber liegt, braucht man nicht viel Fantasie, um sich die leistungssteigernde Wirkung des Sprays ausmalen zu können. Das kann einem für den Wettbewerb schon nochmal einen extra Leistungsschub geben.“</p>
<p>„Damit wird in der Tat sehr viel Schindluder getrieben“, bestätigt Holger Kühner. „Die Norweger hatten in Pyeongchang stolze 6.000 Einheiten Asthmaspray dabei. Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen, oder?“</p>
<p>Kühner berichtet auch von dem britischen Radrennfahrer <strong>Chris Froome</strong>, der seit Jahren Asthmasprays nutzt. „Die Ausnahmegenehmigung hatte ihm der Verbandsarzt des Weltradsportverbands ausgestellt, der 2015 mit Schimpf und Schande davongejagt wurde, nachdem er in einen anderen Dopingskandal verstrickt war. Man schaut in der Öffentlichkeit immer nur auf die Athleten, aber die sind oft das kleinste Rädchen in einem System, in dem Athleten von einer Entourage aus Familie, Verband, Team, Trainern, Betreuern, Managern, Funktionären und Ärzten beeinflusst werden können.“</p>
<p>Dennoch seien es am Ende die Sportler, die dafür verantwortlich sind, was sie im Blut haben, fügt Annegret Schneider hinzu: „Es ist unsere Verantwortung nachzuschauen, was wir nehmen dürfen und was nicht – egal, wer uns was empfiehlt oder gibt.“</p>
<h5>Und was um aller Welt geht in den Athleten vor, die trotz des Kontrollsystems unerlaubte Substanzen zu sich nehmen, auch auf die Gefahr hin erwischt zu werden?</h5>
<p>„Ganz einfach: Erfolg macht süchtig, und wenn du schnell bist, willst du immer schneller werden“, sagt Holger Kühner und fragt Annegret Schneider nach ihrer Bestzeit über 100 Meter, um ein typisches Beispiel zu skizzieren, wie Sportler oft in den Dopingsumpf reinrutschen:</p>
<p>„Okay, du hast also die Bestzeit von 15.05 Sekunden stehen und sagst dir, für internationale Erfolge wäre eine 14er-Zeit nicht schlecht. Du trainierst zwei Jahre, um das zu schaffen, bekommst es aber nicht hin. Jetzt kommt irgendein Verein auf dich zu und sagt, wir wollen dich haben, bieten dir einen Ausbildungsplatz und machen dich zu einer 14er-Läuferin. Du denkst, das ist cool, da kümmert sich jemand um mich. Dann bist du dort, trainierst ein halbes Jahr, verbesserst dich aber nicht. Jetzt kommt einer, der drückt dir etwas in die Hand und empfiehlt dir, das mal zu probieren. Als ehrliche Sportlerin lehnst du natürlich ab. Dann kommen die ersten Rennen und du landest jedesmal auf den hinteren Plätzen. Plötzlich steht der Kollege wieder mit dem ominösen Wundermittel da – und dann kommt der Punkt, an dem dein Charakter weiter entscheidet. Bleibst du lieber sauber und erfolglos oder probierst du das Erfolg versprechende Wundermittel doch? Das ist ein Teufelskreis.“</p>
<p>Eine Untersuchung in den USA habe dazu ein erschreckendes Ergebnis geliefert: Etwa die Hälfte der befragten Spitzensportler haben die Frage „Würden Sie dopen, wenn Sie damit jetzt die Goldmedaille holen, dafür aber in fünf Jahren tot sind?“ mit ja beantwortet.</p>
<p>„Wie kann man an so etwas auch nur im Ansatz denken?“, entgegnet eine sichtlich entsetzte Annegret Schneider. „Wie kann man sich auch nur ein bisschen über einen Sieg freuen, wenn man zum einen genau weiß, dass nicht die eigene Leistung den Ausschlag gegeben hat, und man zum anderen ein großes gesundheitliches Risiko eingeht?“</p>
<p>Als weiteren Grund für die Risikobereitschaft mancher Sportler sieht Holger Kühner die geringe Wahrscheinlichkeit an, dass sie erwischt werden – zumal die meisten Substanzen nach 48 Stunden nicht mehr nachweisbar seien. „Auch dies können wir mit einem Blick auf Alkoholkontrollen im Verkehr schön anschaulich machen“, so der kritische Dopingexperte.</p>
<p>„Im Stadtgebiet Heilbronn gibt es rund 80.000 zugelassene Fahrzeuge – eine viel zu große Masse, um alle kontrollieren zu können. Selbst wenn die Polizei bei einem Ereignis wie dem Weindorf am Sonntag nachts eine groß angelegte Kontrolle macht, kann sie nur einen kleinen Bruchteil davon abdecken. Und nicht mal derjenige, der beim Frühschoppen morgens drei Viertele getrunken hat, heimgefahren ist und nachts mit dem Auto zufällig in die Kontrolle kommt, hat etwas zu befürchten – denn der Alkohol von 0,75 Liter Wein ist in der Regel nach zwölf Stunden abgebaut.“</p>
<h5>Was schlägt ARD-Dopingexperte Holger Kühner vor, um den Kampf gegen das Doping effizienter zu machen?</h5>
<p>„Wenn es ein Patentrezept geben würde, wäre es bestimmt schon im Einsatz. Doping ist eine Seuche, das Krebsgeschwür des Sports, das bekämpft werden muss, gegen das man den Kampf aber nicht gewinnen kann! Was mich stört, ist die Scheinheiligkeit, mit der das Thema Doping behandelt wird. Da wird mit dem Finger auf die sicherlich schuldigen Russen gezeigt, aber der Dopingskandal um die Freiburger Uni ist bis heute noch nicht aufgeklärt. Da werden Flaschen mit Dopingproben manipuliert und man macht den Hersteller dafür verantwortlich statt diejenigen aus dem Verkehr zu ziehen, die die Manipulationen vornehmen. Da hören die öffentlichen Diskussionen über Doping nach den Olympischen Winterspielen auf, obwohl die Fußball-WM bevorsteht und im Fußball gedopt wird, bis die Gläser platzen. Warum wird hier nicht die Anti-Doping-Politik der FIFA und des DFB hinterfragt?</p>
<p>Ich habe den Eindruck, solange die Leute in den VIP-Logen des Circus Maximus sagen, dass in der Arena alles bestens ist, ist alles gut. Und wenn dann einer kommt und behauptet, die Gladiatoren seien gedopt, dann gilt er gleich als Nestbeschmutzer.</p>
<p>Mit kommt im Kampf gegen das Doping auch die Ethik und Moral zu kurz. Man müsste die Sportlerinnen und Sportler ganz anders mit einbinden und ihnen auch zuhören, denn ehrliche Athleten wie Annegret sind letztendlich diejenigen, die am meisten darunter leiden, wenn sie erstmal unter Generalverdacht gestellt werden und ihre Unschuld beweisen müssen.“</p>
<p>Übrigens, laut Professor Perikles Simon von der Universität Mainz haben auch zehn bis 20 Prozent der Freizeitsportler schon mindestens einmal gedopt. Eine beängstigende Zahl! </p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h3>Erfahrung von Heilbronner Sportlern mit Dopingkontrollen</h3></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p>Das Thema Doping sieht für jeden Sportler je nach Sportart und Leistungsklasse ganz anders aus. Wir haben bei diesen Heilbronner Sportlern nachgefragt, welche Erfahrungen sie gemacht haben, und haben dabei ganz unterschiedliche Antworten bekommen:</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Foto: Ute Freise</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h5>Yannik Pflugfelder (U23-Nationalmannschaft Kanu)</h5>
<p>Die Häufigkeit der Dopingkontrollen hängt von der Testpoolzugehörigkeit eines jeden Athleten ab. Als NTP-Sportler wurde ich bisher so ca. alle zwei bis drei Monate kontrolliert. Der Mythos, dass Dopingkontrolleure einen immer nachts aus dem Bett klingeln, rührt daher, dass RTP-Athleten (A-Kader-Athleten der Sportarten der Risikogruppe A) für jeden Tag nicht nur ihre Aufenthalts- und Übernachtungsorte via ADAMS (wie ich als NTP auch) angeben müssen, sondern zusätzlich einen einstündigen Zeitslot, in dem sie auf jeden Fall anzutreffen sind. Die RTP Athleten geben diesen eben fast immer zwischen 5 und 6 Uhr morgens an, da sie um die Zeit auf jeden Fall daheim im Bett sind. Es liegt also im Regelfall nicht an der Böswilligkeit der Kontrolleure, dass sie einen aus dem Bett klingeln. Bei mir kamen die Kontrolleure immer um die Mittagszeit. Die Kontrolleure, mit denen ich bisher zu tun hatte, waren allesamt zwar bestimmt in ihrem Auftreten, aber dennoch immer freundlich und recht gesprächig. Einer musste bei mir mal fünf Stunden warten – ich konnte halt nicht&#8230; 😉</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h5>Frank Stäbler (Doppelweltmeister Ringen)</h5>
<p>Neulich hat es bei mir zuhause um 5.45 Uhr geklingelt und da standen zwei Kontrolleure von der NADA zur Dopingkontrolle. Elf Minuten später klingelte es dann erneut – diesmal wollten zwei WADA-Kontrolleure herein. Also waren morgens um 6 Uhr vier Kontrolleure bei mir im Haus – so viel konnte ich gar nicht pinkeln. Ein paar Tage später hatte ich dann endlich mal wieder einen freien Abend und bin mit meiner Frau ins Kino gegangen. Wir hatten gerade Tickets und Popcorn gekauft, da kam der Anruf der NADA: Dopingkontrolle! Also sind wir schnell heimgefahren und haben den freien Abend mit der Dopingkontrolle verbracht. Ich bin absolut für Dopingkontrollen und sie können gerne jeden Morgen um 6 Uhr kommen. Aber wenn ich mein ganzes Leben danach ausrichten muss und dann noch einen Anschiss kassiere, weil ich nicht drei Monate im voraus angegeben habe, dass ich an dem Abend ins Kino gehe, möchte ich doch weltweite Gleichberechtigung. Wenn andere Länder eine gleiche Transparenz schaffen würden, wäre so eine Aktion völlig okay. Aber so war ich dann doch sehr verärgert.</p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Foto: Marcel Tschamke</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><p><em>Foto: Marcel Tschamke</em></p></div>
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				<div class="et_pb_text_inner"><h5>Sebastian Heymann (Handball-Bundesliga)</h5>
<p>Ich musste am Anfang der Saison einen Rahmenplan angeben, wo die Trainingsstätten sind, wann wir trainieren, wo meine Wohnung ist und wo meine Eltern wohnen. Bisher hatte ich ein einziges Mal eine Dopingkontrolle, das war bei der U21-Weltmeisterschaft 2017 in Algerien nach dem Spiel um Platz drei. Bei den Lehrgängen der Junioren-Nationalmannschaft nehmen wir regelmäßig an Vorträgen über Themen rund um das Doping teil. Dabei geht es dann zum Beispiel auch um die „Kölner Liste“– eine Liste von Nahrungsergänzungsmitteln, die sich freiwillig Laboranalysen eines anerkannten Anti-Doping-Programms haben unterziehen lassen und bei denen deshalb ein reduziertes Risiko besteht, dass sie verbotene Substanzen beinhalten. Diese Vorträge sind eine tolle Sache, denn damit legen wir quasi die Grundlage für unsere ganze Karriere. Mein Ziel ist es, erstmal ein gestandener Bundesligaspieler und dann irgendwann auch mal A-Nationalspieler zu werden – und da muss ich dann genau über alles rund um das Thema Doping Bescheid wissen!</p></div>
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